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Diario / News

aus Kuba (2006)




25.12.2006





Spanien schickt medizinische Hilfe für Castro

Der kubanische Staatschef leide an keiner «bösartigen Krankheit» und befinde sich nach einer schwierigen Operation vor einigen Monaten auf dem Weg der Besserung.

Das versicherte am Dienstag der Darmspezialist José Luis García Sabrido. Er hatte den 80-jährigen vergangene Woche auf Kuba untersucht. Ein weiterer Eingriff sei derzeit nicht notwendig, ergänzte er in Madrid. Geistig sei Castro voll auf der Höhe. «Er äußert jeden Tag den Wunsch, zur Arbeit zurückzukehren. García Sabrido ist Chefchirurg des Gregorio-Marañón-Krankenhaus in der spanischen Hauptstadt und war auf Bitten der kubanischen Führung nach Havanna gereist, um Castro zu untersuchen. Dessen Zustand beschrieb der Mediziner als «stabil». Der kubanische Staatschef erhole sich «langsam aber allmählich» von Komplikationen nach der Operation, darunter einer Darmblutung. Wenn er sich vollständig erhole, könne er die Regierungsgeschäfte wieder übernehmen, meinte García Sabrido.

Die Zeitung "El Periodico" berichtete am Sonntag, Sabrido sei mit einem von der kubanischen Regierung gecharterten Flugzeug nach Havanna geflogen. Er habe medizinische Geräte mitgenommen, die es in Kuba nicht gebe. Bevor über eine weitere Operation entschieden werde, werde Garcia Sabrido Castro persönlich untersuchen, schrieb die in Barcelona erscheinende Zeitung. Der Arzt ist leitender Chirurg des Madrider Gregorio-Maranon-Krankenhauses.

Der 80-jährige Castro war seit fünf Monaten nicht mehr in der Öffentlichkeit zu sehen. Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte er am 26. Juli. Fünf Tage danach teilte er mit, dass er sich einer Notoperation am Darm habe unterziehen müssen. Seine Amtsgeschäfte übertrug er auf seinen Bruder und Verteidigungsminister Raul Castro, sein Gesundheitszustand ist ein Staatsgeheimnis. In Kuba verlautete, Castro erhole sich von der Operation, aus US-Kreisen hieß es dagegen, der 80-Jährige leide unheilbar an Krebs und werde das kommende Jahr nicht überleben.
24.12.2006



 

Kuba in Zahlen 2006: 12,5 Prozent Wirtschaftswachstum, 2 Millionen Touristen

Kubas Wirtschaft ist laut der Regierung um 12,5 Prozent in diesem Jahr gewachsen. Ohne von anderen Ländern bei der Berechnung nicht berücksichtigten subventionierten Dienstleistungen im Sozialbereich liege die Zahl bei 9,5 Prozent, sagte Wirtschafts- und Planungsminister Rodriguez am Freitag. Es handele sich "um die höchste Zahl in unserer revolutionären Geschichte und die höchste in der Region".

Die kubanische Statistik ist allerdings umstritten. Im vergangenen Jahr hatte die Regierung in Havanna 11,8 Prozent Wachstum gemeldet. Der US-Geheimdienst CIA erklärte damals, die Zahl sei um drei bis vier Prozentpunkte zu hoch gegriffen. Die UNO-Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik teilte diesen Monat mit, dass Kubas Berechnungsmethode noch überprüft werde. Sie basiere auf Schätzungen des Marktwertes kostenloser sozialer Dienstleistungen und subventionierter Waren sowie medizinischer und anderer Dienstleistungen, die nach Venezuela exportiert werden.

Bereits am 29. November 2006 gab das cubanische Tourismusministerium die Zahl bekannt und überschritt damit erneut die zwei Millionen Grenze. Die Gesamtzahlen 2006 werden im Januar 2007 veröffentlicht. „Wir freuen uns sehr über das erfolgreiche Jahr“, sagt Elena Rabassa, neue Direktorin des kubanischen Fremdenverkehrsamtes in Deutschland, „und werden im kommenden Jahr nach einem neuen Rekord streben“.
Die Top Five der Herkunftsländer nach Anzahl der Gäste sind Kanada, Großbritannien, Spanien, Italien und Deutschland. Zu den meistbesuchten Orten der Insel gehören der Strand von Varadero im Norden, der Archipel Jardines de la Reina im Süden sowie die Hauptstadt Havanna mit ihrem historischen Zentrum.
Die Tourismusindustrie mit über 200 Hotels und mehr als 41.000 Betten gehört zu den wichtigsten Einnahmequellen Kubas und dient gleichzeitig als großer Arbeitgeber der karibischen Insel mit über 100.000 Beschäftigten.
22.12.2006



 

Russisches Bankenkonsortium finanziert Lieferung von Zivilflugzeugen nach Kuba

Dezember (RIA Novosti). Ein russisches Bankenkonsortium gewährt dem kubanischen Unternehmen Aviaimport S.A. einen Kredit in Höhe von 203,4 Millionen Dollar, mit dem die Lieferung der Flugzeuge Il-96-300 und Tu-204 nach Kuba finanziert werden soll. Als Organisator der Kreditvergabe tritt die russische Staatsbank Vneshtorgbank auf. Nach Angaben des Presseamts hat der Kredit eine Laufzeit von zwölf Jahren. Der Kredit wird mit staatlichen Garantien Russlands und Kubas unterlegt. Als zusätzliche Garantie beleiht Kuba die zu kaufenden Flugzeuge. Laut Vneshtorgbank geht es um das größte Exportgeschäft mit russischen Zivilflugzeugen in der letzten Zeit. Zuvor hatten die russischen Vneshtorgbank, Vnesheconombank und die Roseximbank bereits die Lieferung zweier Iljuschin-Flugzeuge nach Kuba zu 85 Prozent finanziert.
14.12.2006



 

USA suchen Kontakt zu Kuba - US Delegation spricht mit kubanischen Politikern

Rund zwei Wochen nach dem Verhandlungsangebot des kubanischen Interimsstaatschefs Raul Castro an die USA ist in Kuba die größte Delegation von US-Politikern seit 1959 eingetroffen.

"Dieser Besuch erfolgt zu einem wichtigen Zeitpunkt", sagte der Leiter der zehnköpfigen Gruppe, der republikanische Abgeordnete Jeff Flake, gestern bei der Ankunft in Havanna. "Wir hoffen darauf, mit der Führung des Landes und anderen zusammenzutreffen, und wollen eine neue, lange Ära der Beziehungen zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten in Gang setzen." Im US-Kongress sei "eine große Mehrheit" für den Dialog mit Kuba, sagte Flake.

Treffen mit Raul Castro?

Die Delegation besteht aus sechs demokratischen und vier republikanischen Abgeordneten des US-Parlaments. Geplant sind Treffen mit dem Präsidenten des kubanischen Parlaments, Ricardo Alarcon, dem kubanischen Außenminister Felipe Perez Roque, dem Zentralbankchef Francisco Soberon und der Industrieministerin Yadira Garcia. Auch eine Unterredung mit Raul Castro oder dem Vizepräsidenten Carlos Lage sei nicht ausgeschlossen, hieß es von kubanischer Seite.

Die USA hatten ihre diplomatischen Beziehungen zu Kuba 1961 abgebrochen. Am 2. Dezember dieses Jahres hatte Raul Castro bei der Militärparade zum 50. Jahrestag der kubanischen Revolution und zum 80. Geburtstag seines Bruders Fidel Castro gesagt, die seit Jahrzehnten währenden Spannungen zwischen den USA und Kuba müssten auf dem Verhandlungswege überwunden werden. Die US-Regierung lehnte dies zwei Tage später allerdings vorerst ab.

Castro will wieder öffentlich auftreten

Die kubanischen Behörden haben der US-Delegation von US-Abgeordneten versichert, dass Präsident Fidel Castro nicht an Krebs erkrankt sei und nach seiner Genesung wieder an die Macht zurückkehren werde. Die Gruppe von sechs Demokraten und vier Republikanern sprach sich zum Abschluss ihres dreitägigen Kuba-Besuchs am Sonntagabend (Ortszeit) dafür aus, positiv auf das Dialogangebot des amtierenden Staatschefs Raúl Castro zu reagieren. Die US-Delegation sprach nicht persönlich mit den Castro-Brüdern.

Kein Treffen mit Raúl Castro

Sie haben uns gesagt, dass Castro nicht an Krebs erkrankt sei und er nicht im Sterben liege", erklärte der republikanische Abgeordnete für Arizona, Jeff Flake, auf einer Pressekonferenz in Havanna zum Abschluss des Besuchs. Die demokratische Abgeordnete Jane Harman sagte, die kubanischen Vertreter hätten erklärt, dass der 80-Jährige wieder an die Macht zurückkehren werde. Das von der Delegation gewünschte Treffen mit Raúl Castro, der nach der Darmoperation seines älteren Bruders Ende Juli die Macht übernahm, sei ihr nicht gewährt worden, fügte die Abgeordnete für Kalifornien hinzu. Dies könne bedeuten, dass die kubanische Regierung noch nicht bereit sei, zuzugestehen, dass eine "neue Ära" begonnen habe.

Flake, der die Delegation des Repräsentantenhauses zusammen mit dem Demokraten William Delahunt (Massachusetts) leitete, verlas eine gemeinsame Erklärung der Abordnung. Darin hieß es, niemand sollte sich "Illusionen" machen, dass Verhandlungen mit Kuba leicht und von Erfolg gekrönt sein würden. Ein Verzicht auf jegliche Diplomatie hieße jedoch, dass gar kein Ergebnis zustande kommen werde. Die Abgeordneten schlugen unter anderem ständige Konsultationen über Migrationsfragen sowie eine verstärkte Zusammenarbeit beim Kampf gegen den Drogenhandel vor. Außerdem befürworteten sie Gespräche über die Auswirkungen der Erdölförderung auf die Umwelt.

Außenministerium lehnt Kuba-Reise ab

Dem Vernehmen nach traf die Delegation vor der Pressekonferenz mit dem Chef der US-Interessenvertretung in Havanna, Michael Parmly, zusammen. Das US-Außenministerium stand der Kuba-Reise nach Angaben der Abgeordneten ablehnend gegenüber. Ihren Aussagen zufolge nimmt jedoch in Washington die Zahl der Befürworter eines neuen Kurses gegenüber Kuba zu. Der von den Demokraten kontrollierte Kongress werde im kommenden Jahr möglicherweise Veränderungen der US-Politik gegenüber Kuba einleiten, hieß es.

Flake und Delahunt gehören dem Ausschuss für auswärtige Beziehungen des Repräsentantenhauses an und treten für eine flexiblere Haltung gegenüber Kuba ein. Vor zwei Jahren gründeten sie zu diesem Zweck eine Arbeitsgruppe Kuba. Die US-Regierung hatte 1961 die diplomatischen Beziehungen zu Kuba abgebrochen. Als Reaktion auf Verstaatlichungen von US-Unternehmen verhängte sie 1962 eine Wirtschaftsblockade gegen den von Castro regierten Staat, die bis heute mehrfach verschärft wurde. Raúl Castro hatte in einer Ansprache am 2. Dezember vorgeschlagen, den Konflikt mit den USA am Verhandlungstisch beizulegen. Er äußerte sich während einer Militärparade anlässlich der nachgeholten Feierlichkeiten zum 80. Geburtstag seines im August 1926 geborenen Bruders.

Die US-Delegation war am Freitag in Kuba eingetroffen. Sie traf auch mit Fernando Ramírez zusammen, der bei der Kommunistischen Partei Kubas für internationale Beziehungen zuständig ist. Außerdem führte sie Gespräche mit Vertretern der katholischen Kirche.

Fidel Castro, der seit seiner Operation - außer im Fernsehen - nicht mehr öffentlich aufgetreten ist, telefonierte nach Angaben der Parteizeitung "Granma" am Freitag mit Gouverneuren kubanischer Provinzen und am Donnerstag mit dem venezolanischen Staatschef Hugo Chávez. Dieser trat anschließend der Einschätzung des US-Geheimdienstchefs John Negroponte entgegen, Castro sei dem Tode nahe. (APA)
14.12.2006



 

Oliver Stone zu Geldstrafe wegen Interview mit Castro verurteilt

Oliver Stone, 60, Filmregisseur, muss wegen eines Interviews mit dem kubanischen Staatschef Fidel Castro, 80, ein Bußgeld von 6.322 Dollar bezahlen. Stone, der als Bewunderer des "máximo líder" gilt, soll mit dem 2002 in Havanna für seinen Dokumentarfilm "Comandante" geführten Gespräch das US-Handelsembargo gegen Kuba unterlaufen haben.
12.12.2006



 

Kein Visum für Deutsche Abgeordnete

Alles war vorbereitet. Die Flüge waren gebucht, die Gesprächstermine vereinbart. Am Sonnabend sollte es in die Karibik gehen. Doch jetzt hat die kubanische Botschaft in Berlin einer sechsköpfigen Abgeordnetengruppe des Bundestags die Einreisevisa für die Karibikinsel verwehrt. Denn die Parlamentarier wollten auf Kuba auch mit Dissidenten sprechen - ein Vorhaben, das das Regime in Havanna offenbar nicht goutiert.

"Das ist ein unglaublicher Affront", sagte der Delegationsleiter der Parlamentarier-Gruppe, Sascha Raabe (SPD), der Berliner Zeitung. Kubas Botschafter in Berlin habe, obwohl in die Planung eingeweiht, am Dienstag die Visa verweigert. "Und das wegen eines vielleicht zweistündigen Gesprächs mit Dissidenten", sagte Raabe. Man habe ja nicht nur Regimekritiker treffen wollen, sondern auch Regierungsvertreter. "Ich bin empört", sagte der SPD-Mann: "So etwas kann seitens der Bundesregierung nicht ohne Folgen bleiben." Christian Ströbele (Grüne), ebenfalls gebucht für den Flug in die Karibik, kommentierte die Absage mit den Worten: "Selbst der verdiente Genosse Ströbele darf jetzt nicht nach Kuba reisen. Wenn das Fidel wüsste ..."

Es ist nicht bekannt, ob Castro auf seinem Krankenlager Kenntnis vom Wirken seiner Botschaft bekommen hat. Betroffen jedenfalls ist auch Wolfgang Gehrcke von der Linksfraktion, die sich nicht durch übermäßig große Kritik am kubanischen Regime auszeichnet. Das Auswärtige Amt hat für heute Kubas Botschafter einbestellt.

Unklar blieb gestern, ob die Abgeordneten jetzt nur ihr zweites Ziel in Mittelamerika, die Insel Jamaika, ansteuern. Sollte es dazu nicht kommen, hat Ströbele vorsorglich Enttäuschung geäußert. Er hätte sich gerne Jamaika angesehen, sagte er, "um mich für die innenpolitische Diskussion zu wappnen." Die Flagge Jamaikas trägt die Farben Schwarz, Gelb und Grün. Eine politische Konstellation, der manche eine Zukunft vorhersagen.
12.12.2006



 

Václav Havel fordert Tourismus-Boykott gegen Kuba

Der frühere tschechische Staatspräsident Václav Havel hat zu einem Reiseboykott gegen Kuba wegen aufgrund der dort stattfindenden Verletzung der Menschenrechte aufgerufen.

"Ich kann doch nicht nach Kuba fahren, um dort am Strand zu faulenzen und so zu tun, als wäre nichts geschehen, während hinter Gittern Dutzende poltitische Gefangene sitzen", so Havel in einer Videobotschaft im Rahmen einer Konferenz in Warschau, zu der Polens Ex-Präsident Lech Walesa eingeladen hatte.

Havel trug auf dem Video einen gestreiften Häftlingsanzug. "Wir können nicht so tun, als würde in Kuba nichts Schlimmes passieren. Dort passiert viel Schlimmes", so Havel.

Er erzählte außerdem ein persönliches Erlebnis aus seiner Zeit als Inhaftierter des kommunistischen Regimes in der Tschechoslowakei. Als er einmal aus dem Gefängnis in Handschellen zu einer Behandlung in eine Zahnarzt-Praxis gebracht worden war, hätten die "normalen Patienten" im Wartezimmer so getan, als hätten sie den Gefangenen gar nicht bemerkt.
07.12.2006



 

Bekannter Dissident in Kuba aus Haft entlassen

Die kubanische Regierung hat gestern überraschend den Dissidenten Héctor Palacios freigelassen. Er ist der bekannteste Gegner des Regimes in Havanna, der unter der Regierung Raúl Castros das Gefängnis verlassen konnte. Raúl Castro führt seit dem 31. Juli vorübergehend die Amtsgeschäfte seines kranken Bruders Fidel. Nach Angaben von kubanischen Menschenrechtlern wurden für die Entlassung Palacios gesundheitliche Gründe genannt. Der 65-jährige leidet an Herzproblemen.

Héctor Palacios selbst betrachtet seine Freilassung als Einzelfall. "Es gibt im Moment keine Bereitschaft in der Regierung, eine größere Zahl an politischen Gefangenen freizulassen", sagte Palacios der spanischen Nachrichtenagentur Efe. "Wenn Raúl es ernst meint mit seinem Verhandlungsangebot, sollte er sofort alle politischen Gefangenen freilassen", forderte er. Héctor Palacios gehörte in den Neunziger Jahren zu den Mitbegründern des "Projekts Varela", bei dem Zehntausende Kubaner per Unterschrift ein Referendum forderten. Sie hatten damit vergeblich versucht, eine Demokratisierung der Karibikinsel zu erreichen.
Palacios war im Frühjahr 2003 zusammen mit 74 anderen Oppositionellen in Havanna verhaftet und zu 25 Jahren Haft verurteilt worden. Ihnen wurden unter anderem Verschwörung mit den USA und konterrevolutionäre Tätigkeiten vorgeworfen.

Neben Héctor Palacios sind seit dem Urteilsspruch bereits 15 weitere der damals Inhaftierten freigelassen worden. Menschenrechtsorganisationen in Havanna weisen darauf hin, dass in den vergangenen Tagen nicht nur Oppositionelle freigelassen wurden, sondern auch neue Verhaftungen erfolgten. So seien unter anderem vier Journalisten inhaftiert worden. Damit stieg die Zahl der Journalisten in kubanischen Gefängnissen auf 25. Diese Zahl wird weltweit nur von China übertroffen. Rund 300 Dissidenten säßen immer noch in kubanischen Gefängnissen, beklagen die Menschenrechtler.

Ausreiseverbot für Journalisten aus Kuba

Der kubanische Dissident Fariñas Hernández wird den Menschenrechtspreis der Stadt Weimar bekommen. Persönlich entgegennehmen kann er ihn aber nicht - die kubanische Regierung lässt ihn nicht aus dem Land.

Der mit 2500 Euro dotierte Menschenrechtspreis soll das Engagement Fariñas Hernández' für das Recht auf Meinungsfreiheit ehren, begründete die Stadt ihre Entscheidung. Fariñas Hernández gründete 1996 die oppositionelle Nachrichten-Agentur Cubanacán Press, die das spanischsprachige Ausland über Missstände auf der Karibikinsel informieren wollte. Nachdem ihm und seinen Mitstreitern der Zugang zur Website der Agentur gesperrt worden war, war er von Februar bis Ende August in Hungerstreik getreten.
07.12.2006



 

USA lehnen Verhandlungsangebot Kubas ab

Die USA haben ein Verhandlungsangebot des kubanischen Interims-Staatschefs und Bruders des erkrankten Präsidenten Fidel Castro, Raúl Castro, abgewiesen. "Der Dialog, der geführt werden muss, ist der mit dem kubanischen Volk", sagte Aussenministeriumssprecher Sean McCormack.

Raúl Castro hatte am Samstag bei der Militärparade zum 50. Jahrestag der kubanischen Revolution und zum 80. Geburtstag seines Bruders in Havanna gesagt, die seit Jahrzehnten währenden Spannungen zwischen den USA und Kuba müssten auf dem Verhandlungswege überwunden werden.

Raúl Castro betonte jedoch, die Verhandlungen mit den USA könnten aber nur auf der Grundlage erfolgen, dass die "Unabhängigkeit" Kubas nicht in Frage gestellt werde.Die US-Regierung hatte schon kurz darauf unbeeindruckt auf das Verhandlungsangebot reagiert.

Sie forderte, die kubanische Regierung müsse zuerst Schritte in Richtung Demokratie gehen, bevor Washington eine Vertiefung der Beziehungen in Betracht ziehe.
28.11.2006



 

Fidel Castro begeht seinen 80. Geburtstag - Festveranstaltungen auf Kuba ohne Castro

Auf Kuba wird am 28. November bis 02. Dezember das 80. Jubiläum von Fidel Castro Ruz gefeiert. Die kubanische Führung hat sich selbst gefeiert, den Sozialismus und besonders die Gründung der kubanischen Revolutionstruppen vor 50 Jahren. Nur einer fehlte bei der großen Militärparade in der Hauptstadt Havanna: Fidel Castro.

In Abwesenheit von Fidel Castro ist in Havanna eine große Militärparade zum 50. Jahrestag der Gründung der kubanischen Revolutionstruppen abgehalten worden. Die Veranstaltung vom Samstag markierte zugleich den Höhepunkt der nachträglichen Feiern zum 80. Geburtstag des erkrankten kubanischen Staatschefs. Doch wie schon zu seinem eigentlichen Geburtstag am 13. August war Castro nicht in der Öffentlichkeit zu sehen.

Die Militärparade wurde vom jüngeren Bruder des Erkrankten abgenommen, dem amtierenden Präsidenten Raul Castro. Dieser ging in einer halbstündigen Rede auf die Ereignisse vom 2. Dezember 1956 ein. Unter der Führung Fidel Castros landeten damals 82 kommunistische Rebellen mit einer Yacht an der kubanischen Küste und leiteten als neue Revolutionstruppe den Sturz von Präsident Fulgencio Batista am 1. Januar 1959 ein.

Zum Zustand seines Bruders äußerte sich Raul Castro nicht. Fidel Castro selbst hatte zum Auftakt der Feiern am Dienstag erklären lassen, dass er sich für eine Begegnung mit den Festbesuchern noch nicht wohl genug fühle. Ehrengäste bei den Feiern waren unter anderem die Präsidenten Boliviens und Haitis, Evo Morales und Rene Preval, der designierte Präsident Nicaraguas, Daniel Ortega, sowie der kolumbianische Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Gabriel Garcia Marquez.

Bei einer Feierstunde im Karl-Marx-Theater von Havanna am Freitagabend sagte der kubanische Vizepräsident Carlos Lage dem Sozialismus auf der Karibikinsel eine lange Zukunft voraus. Es werde keinen Übergang zu einem neuen System, sondern Kontinuität geben. Morales pries die jüngsten Erfolge der Linken in Lateinamerika. „Wir haben Venezuela, Kuba und bald auch Ecuador und Nicaragua“, sagte der bolivianische Präsident vor mehreren tausend Menschen. Wegen der Präsidentenwahl in Venezuela am Sonntag kam Amtsinhaber Hugo Chavez nicht nach Kuba, sondern ließ sich von Außenminister Nicolas Maduro vertreten.

Wie bei der kubanischen Botschaft in Argentinien gegenüber RIA Novosti verlautete, nahmen insgesamt mehr als 1500 Gäste aus 76 Ländern an den Festveranstaltungen teil.

Die Feierlichkeiten anlässlich des Jubiläums des kubanischen Revolutionsführers sind von der Guayasamin-Stiftung initiiert worden (Oswaldo Guayasamin, ein herausragender Künstler aus Ecuador).

Im Rahmen der Feierlichkeiten wurde die Ausstellung "Guayasamin umarmt Fidel" gezeigt. Auf dem Programm stehen auch ein Konzert und ein Kolloquium zum Thema "Andenken und Zukunft: Kuba und Fidel".

Die Veranstaltungen waren ursprünglich für den 13. August, den Geburtstag von Fidel Castro, geplant. Da aber der kubanische Staatschef am 31. Juli dringend operiert werden musste, wurde die Feier auf den 02. Dezember - den 50. Jahrestag der Landung der Jacht "Granma" (der Beginn der Guerillakämpfe zur Befreiung Kubas) - verschoben.

An diesem Tag vor genau 50 Jahren ging eine 81-köpfige Gruppe von Revolutionären, darunter auch Fidel und Raul Castro sowie Che Guevara, an der Ostküste von Kuba an Land, um einen Partisanenkrieg gegen den kubanischen Diktator Fulgencio Batista zu beginnen.
14.11.2006

Viva la revolución!

 

Fidel Castro angeblich auf Weg der Genesung

Der kubanische Staatsführer Fidel Castro befindet sich nach seiner im Sommer erfolgten Darmoperation laut seinem ältesten Sohn auf dem Weg der Genesung. Der 57-jährige Fidel Castro Díaz-Balart widersprach damit Medienberichten aus den USA, sein Vater habe Krebs im Endstadium. Der wissenschaftliche Berater des kubanischen Staatsrats äußerte sich am Rande eines Kongresses für Biotechnologie in Havanna.

Der 80-jährige Castro hatte Ende Juli wegen einer Darmoperation, in deren Folge er 18 Kilogramm abnahm, erstmals seit 47 Jahren die Amtsgeschäfte "vorübergehend" an seinen fünf Jahre jüngeren Bruder Raúl abgegeben. Am 28. Oktober hatte sich der Führer der Revolution von 1959 in einem fünfminütigen Film im Fernsehen präsentiert, um Gerüchten über eine erhebliche Verschlechterung seines Gesundheitszustands oder sogar sein Ableben entgegenzutreten.
02.11.2006



 

Russisches Parlament ruft zur Aufhebung der Blockade gegen Kuba auf

Die Staatsduma Russlands hat zur Aufhebung der gegen Kuba verhängten Wirtschaftsblockade aufgerufen. An diesem Freitag wollen die Abgeordneten einen entsprechenden Appell an die Parlamentarier der UN-Mitgliedsländer erörtern, teilte Parlamentspräsident Boris Gryslow am Donnerstag in Moskau mit. Die dahin gehende Entscheidung wurde vom Parlamentsrat, dem Dumarat, getroffen. Gryslow teilte ferner mit, dass am Freitag der Vorsitzende der Nationalversammlung der Volksmacht Kubas, Ricardo Alarcon de Quesada vor dem russischen Parlament referieren werde. Der kubanische Gast hält sich auf Gryslows Einladung in Russland auf.

Im Februar 1959 wurde auf Kuba die Revolutionsregierung mit Fidel Castro an der Spitze gebildet. Im September 1960 wurden alle Filialen nordamerikanischer Banken auf Cuba nationalisiert. Am 19. Oktober 1960 verhängte die US-Regierung eine totale Wirtschaftsblockade gegen Kuba, indem alle Transaktionen zur Lieferung von Öl und zum Import kubanischen Zuckers eingestellt wurden. Die Aufkündigung dieser langfristigen Verträge brachte den beiden Seiten immense Verluste.
02.11.2006

Viva la revolución!

Baseball-Fan Castro

Amerikaner schmuggeln Baseballer aus Kuba

Der Weg ist kurz und die Verlockung groß: Viele Kubaner träumen von einer Flucht in die USA. Auf der anderen Seite gibt es genug Leute, die Interesse haben, ihnen dabei zu helfen. Zumindest, wenn es sich bei den Flüchtlingen um gute Baseballer handelt. Nun wurde in den USA ein Sportagent angeklagt.

Gustavo Dominguez wird vorgeworfen, im Jahr 2004 vier Männer angeheuert zu haben, um insgesamt 19 Kubaner mit einem Schnellboot in die USA zu bringen. Fünf davon seien talentierte Baseballspieler gewesen, berichtet die "New York Times". Das Ziel von Dominguez war es, diese bei Teams in der amerikanischen Major League Baseball unterzubringen. Früher war es üblich, dass Agenten bereits geflohenen kubanischen Baseballern halfen, einen Vertrag bei den Top-Teams zu bekommen. Nun scheint es so, dass immer mehr Agenten Schmuggler anheuern, um den Spielern schon bei der Flucht von Kuba zu helfen. "Das Vermitteln der Spieler hat sich in ein Schmuggelgeschäft verwandelt", sagt Sportagent Joe Kehoskie der "New York Times".

Laut Anklageschrift soll Dominguez 50.000 Dollar auf einem kalifornischen Bankkonto deponiert und ein Apartment gemietet haben, um die Aktion durchzuführen. Der erste Versuch, 28 Kubaner von der Insel zu bringen, schlug fehl, doch einen Monat später gelang die Flucht mit 19 Kubanern. Die fünf Baseballer wurden in Vans nach Kalifornien gebracht.

Traum von der großen Karriere geplatzt

Bislang sind drei von ihnen bei unterklassigen Baseball-Teams in den USA untergekommen: einer in einem Farmteam der Arizona Diamondbacks, einer in einem Farmteam der Atlanta Braves, der dritte spielt bei den Saltdogs in Lincoln.

Der angeklagte Gustavo Dominguez plädiert auf nicht schuldig. Er vertritt nach eigenen Angaben 38 kubanische Spieler. Bei einem Schuldspruch drohen ihm zehn Jahre Gefängnis. "Auch wenn es sich in diesem Fall um einen Sportagenten aus Beverly Hills und talentierte Baseballspieler handelt, so haben wir es hier doch mit Menschenschmuggel zu tun", sagt Julie Meyers von der US-Einwanderungsbehörde.

Seit 1991 sind 100 kubanische Spieler in die USA geflüchtet, viele von ihnen spielen in der Major League. Baseball ist Volkssport auf Kuba, Staatspräsident Fidel Castro gilt als großer Fan.
02.11.2006





Museum für Compay Segundo in Kuba

In Havanna hat ein dem legendären Sänger Compay Segundo gewidmetes Museum seine Tore geöffnet - in dem Haus, in dem der Musiker seine letzten Jahre verbracht hat. Laut Salvador Repilado, dem Sohn des Musikers, soll das Museum dem Wunsch Compay Segundos entsprechen, der 2003 im Alter von 95 Jahren gestorben ist.

Geboren wurde Compay Segundo am 18. November 1907 in Siboney nahe Santiago im heissen Südosten Kubas. Er lernte das Metier des Zigarrendrehers, des Torcedors, das er neben dem Musikmachen während vierzig Jahren ausübte, und des Barbiers.

Der internationale Durchbruch als Musiker kam in den neunziger Jahren in vier Schritten: 1994 in Sevilla, 1995 mit der ersten Tournee in Frankreich und Belgien sowie Einspielungen in Madrid, 1996 mit einer Europatournee und - als Folge der in Spanien ausgelösten Kuba-Welle - 1997 mit Ry Cooders CD «Buena Vista Social Club», der zwei Jahre darauf Wim Wenders’ gleichnamiger Film folgte.

Weitere Informationen zu Compay Segundo
28.10.2006





Fidel-Dämmerung auf Kuba - Gerüchte um Castros Tod

Nach einem Versprecher des brasilianischen Präsidenten Lula da Silva kursierten in Havanna bereits die wildesten Gerüchte. Zitat:""Ich bedaure nur, dass Fidel Castro die politische Öffnung nicht durchgeführt hat, als er noch am Leben war".

Ist der kubanische Revolutionsführer bereits verschieden? Geht es dem 80-Jährigen "immer besser", wie es sein Bruder Raul behauptet? Leidet er an Darmkrebs im Endstadium, wie das US-Magazin "Time" wissen will? Das französische Wochenmagazin "L'Express" schreibt in seiner aktuellen Ausgabe, in Havanna kursierten die wildesten Gerüchte, zumal schon seit dem Blockfreien-Gipfel Mitte September keine Aufnahmen von Fidel zu sehen seien. Es gebe seither auch kein von ihm persönlich unterzeichnetes Kommunique.

Manche meinen, der "Maximo Lider", der am 27. Juli am Darm operiert worden war, habe einen Rückfall erlitten. Möglicherweise habe er sich einem weiteren Eingriff unterziehen müssen. Andere wollten dagegen europäische Balsamierungsexperten in der Ankunftshalle des Flughafens von Havanna gesehen haben. Ausländische politische Beobachter weisen darauf hin, dass Castro weder beim Kongress der Gewerkschaft CTC noch bei jenem der Pionierorganisation Jose Marti (OPIM) in Erscheinung getreten sei - erstmals seit der Revolution von 1959.

Einige "Kubanologen" berichteten, der venezolanische Präsident Hugo Chavez sei am 21. Oktober in aller Eile nach Kuba geflogen, um seinen Freund und Verbündeten ein letztes Mal sehen zu können. Das verräterische Zitat des brasilianischen Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva fiel bereits einige Tage vorher.

Nachdem die Zweifel an der irdischen Existenz Castros immer grösser wurden, hat das Kubanische Fernsehen "Cubavision" im halbstündlichen Rhytmus eine Aufnahme eines debilen Castros gezeigt, indem er wir zum Datumsbeweis, die Schlagzeilen der aktuellen Ausgabe der "
Granma " kommentiert. Sie zeigen einen Comandante in erbärmlichem Zustand: mit wirren Blick, schwacher Stimme und zitternder Hand wiederholt er die gleichen, einfachen Sätze und ringt zwischendurch nach Worten. Nach der wochenlangen Abwesenheit in den Medien ist der sichtbare Verfall erschreckend. Mit Castro geht es steil bergab.
12.10.2006





Kubas ältester Mann mit 126 Jahren gestorben - Zigarren und Sex lassen Kubaner steinalt werden

Im reifen Alter von 126 Jahren ist der älteste Mann Kubas gestorben. Benito Martinez Abogan starb am Mittwoch in einem Krankenhaus im Zentrum der Insel. Über Martinez' Rezept für ein langes Leben sagte Heimmitarbeiter Noel Lopez, der Mann habe auf dem Land gelebt, viel Gemüse gegessen und nicht geraucht. Der Senior selbst hatte in einem seiner letzten Interviews gesagt, Grund für sein hohes Alter sei, dass er mit jedem zurechtkomme.

Martinez hatte sich seinen Traum nicht mehr erfüllen können, noch einmal seine Heimat Haiti zu besuchen. Dort war er am 19. Juni 1880 auf die Welt gekommen - eine Geburtsurkunde besaß er jedoch nicht. 1925 wanderte er nach Kuba aus, um auf Zucker- und Kaffeeplantagen zu arbeiten.

Auf Kuba sind offenbar alle Laster ein Garant für ein langes Leben. Laut einer Studie sind Kaffee,
Zigarren und ein reges Sexuallleben der Grund für die hohe Lebenserwartung der Kubaner. Die Ärztin Nancy Nepomucemo hatte für ihre Untersuchung 54 über hundert Jahre alte Kubaner zu ihrem Lebenswandel befragt.

Für die Studie befragte Nepomucemo ausschließlich Bewohner der Provinz Villa Clara, die mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 78 Jahren den kubanischen Landesrekord in Langlebigkeit hält. Der Studie zufolge ist der Großteil der alten Leute geistig äußerst rege, die meisten von ihnen verrichteten noch immer für ihr Alter schwere Arbeiten. Rund 60 Prozent der Hundertjährigen stammt von Eltern ab, die ebenfalls ein besonders langes Leben hatten. 95 Prozent der Alten ernährt sich gesund mit viel Fisch, Geflügel, Gemüse und Maniok, sie kochen mit wenig Salz und natürlichen Gewürzen.

Das Leben der Greise verläuft nach festen Regeln, wie aus der Untersuchung hervorgeht. Keiner der Hundertjährigen ist Alkoholiker, aber fast alle trinken viel Kaffee und rauchen Zigarren. Zudem hätten sie vielfältige Interessen "
auch sexueller Natur ", hieß es in der am Zentrum für Geriatrie und Sozialarbeit vorgestellten Untersuchung. Kuba will die durchschnittliche Lebenserwartung seiner Bewohner auf 80 Jahre erhöhen und betreibt zu diesem Zweck zahlreiche Studien. Schon jetzt leben mehr als 3000 über 100 Jahre alte Menschen in dem Inselstaat, 1,6 Millionen Kubaer (14 Prozent) sind über 60. Es gibt auch einen Club der 120-Jährigen.
12.10.2006





Der Preis der Blockade

Mehr als vier Jahrzehnte antikubanische Politik sind auch für die US-Wirtschaft mit hohen Kosten verbunden. Schäden für Kuba über 86 Milliarden US-Dollar

Die seit 1962 bestehende ­
Blockade Washingtons gegen Kuba schadet nach einem neuen Bericht des kubanischen Außenministeriums auch der US-Wirtschaft. Nach dem Report sind Folgen für die Bereiche Gesundheit, Tourismus und Landwirtschaft zu verzeichnen, aber auch für die Versorgung mit Nickel, Kobalt und Energie.

Das Außenamtspapier wird am 8. November von der UN-Vollversammlung diskutiert, die sich in diesem Jahr wie schon in den 15 Jahren zuvor mit der völkerrechtswidrigen Blockade befaßt. 1992 hatten nur 59 UNO-Staaten für deren Aufhebung votiert, im letzten Jahr waren es bereits 182. Kuba beziffert die Schäden auf mittlerweile 86,1 Milliarden US-Dollar, im letzten Jahr allein seien vier Milliarden Dollar hinzugekommen.

Die USA haben sich durch die Sperre von klinischen Versuchen für kubanische Medikamente von der Versorgung mit dem Medikament ­TheraCIM gegen Hirntumore bei Kindern abgeschnitten. Hergestellt wird das Präparat vom Zentrum für Molekulare Immunologie (CIM) in Havanna, das 2004 einen durch die Blockade risikoreichen Vertrag mit der US-amerikanischen Firma CancerVax – seit Januar mit Micromet zusammengeschlossen – über die Entwicklung und Produktion von Krebsmedikamenten unterzeichnet hat. In Kuba und einigen anderen Staaten ist TheraCIM bereits auf dem Markt. Auch andere Medikamente aus kubanischer Forschung und Herstellung bleiben den USA vorenthalten.

Zu leiden hat schließlich auch der Tourismus: Im letzten Jahr hätten sich 1,8 Millionen US-amerikanische Touristen auf der Karibikinsel erholen können, wenn das denn erlaubt wäre. Den Veranstaltern ist dank des Verbots ein potentielles Einkommen von 996 Millionen Dollar durch die Lappen gegangen.

Günstiger als bislang könnten die USA auch an Nickel und Kobalt kommen. Zur Zeit werden diese Metalle in der Größenordnung von 148000 respektive 10000 Tonnen von relativ weit entfernt liegenden Märkten importiert. Gäbe es die Blockade nicht, läge die Lieferentfernung bei rund 200 Kilometern.

Derzeit produziert Kuba jährlich etwa 77000 Tonnen Nickel. Im März 2005 erst wurde mit Kanada ein Abkommen über Ausbau und Modernisierung der Produktion geschlossen. Kuba verfügt über nachgewiesene Nickelreserven von 800 Millionen Tonnen und 26 Prozent der globalen Kobaltvorkommen.

Wie im Bergbau dürfen sich US-amerikanische Investoren auch nicht an der Öl-Förderung im kubanischen Teil des Golfs von Mexiko beteiligen. Nur 137 Kilometer von der Küste Floridas entfernt vermuten Experten bis zu 9,3 Milliarden Barrel Erdöl und bis zu 623 Milliarden Kubikmeter Erdgas.

Immerhin eine Milliarde Dollar haben US-amerikanische Nahrungsmittelproduzenten an Kuba zwischen Ende 2001 und 2004 verdient. Sie profitieren von einer 2000 vom US-Kongreß akzeptierten Ausnahmeregelung für den Handel mit Kuba. 2005 hatte die Karibikinsel zwischen 700 und 800 Millionen Dollar für Nahrungsmittelankäufe in den USA zur Seite gelegt. Die von Washington erneut verschärften Restriktionen haben jedoch dazu geführt, daß dieser Handel wieder auf 474 Millionen Dollar einbrach. »Etwa 300 Millionen Dollar sind den US-amerikanischen Exporteuren verloren gegangen. Kuba hat sie in anderen Staaten ausgegeben«, heißt es in dem Bericht. Experten gehen davon aus, daß der Handel zwischen Kuba und den USA nach einer Abschaffung der Blockade binnen fünf Jahren einen Wert von 20 Milliarden Dollar erreichen könnte.

Von Patricia Grogg (IPS), Havanna (http://www.jungewelt.de)
06.10.2006





Erbärmliche Zustände in Kubas Gefängnissen

Die "Internationale Gesellschaft für
Menschenrechte " mit Sitz in Frankfurt macht auf das Schicksal politischer Häftlinge in Kuba aufmerksam. Viele von denen, die im Juli letzten Jahres verhaftet wurden, warteten immer noch auf ihren Prozeß, so der Verband. Die gesundheitliche Lage der Inhaftierten sei häufig prekär. Ein Statement des Verbands sagt wörtlich: "Die Gefängnisleitung verweigert den Inhaftierten medikamentöse Behandlung und fügt ihnen schwere Verletzungen zu."

Hier ist der volle Text des Statements der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte:

Die Situation der politischen Gefangenen, die seit 22. Juli 2005 in Erwartung auf ein Prozessdatum in unterschiedlichen kubanischen Gefängnissen inhaftiert sind, ist höchst bedenklich, berichtet die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). Die Gefängnisleitung verweigert den Inhaftierten medikamentöse Behandlung und fügt ihnen schwere Verletzungen zu. Aufgrund mangelnder Hygiene im Gefängnis Kilo 5,5 in Pinar del Rio sind dort vermehrt Fälle der Schweinehirtenkrankheit aufgetreten. Die IGFM fordert die sofortige Entlassung oder angemessene Prozesse für die Gewissensgefangenen.

Julio Cesar Lopes Rodriguez, Vizepräsident der “Frente Línea Dura” ist inhaftiert im Canaleta Gefängnis in Matanzas. Gemäß der Information seines Bruders leidet Julio an Bluthochdruck, einem Magengeschwür, sowie Pilzen und Geschwüren an den Händen und Füßen. Die Gefängniswärter hingegen verweigern ihm konstant medikamentöse Behandlung. Weil er das staatlich gesendete Programm „Der Runde Tisch“ vor den Gefängnisinsassen, die gezwungen werden, das Programm zu schauen, diskreditiert hatte, wurde er verprügelt. Aus Protest gegen das Treffen der Blockfreien in Havanna befand sich Rodriguez während der siebentägigen Dauer des Gipfels im Hungerstreik, so die IGFM. Der Gewissensgefangene Miguel Lopez Santos, Koordinator der „Bewegung zur Befreiung von Freiheit und Demokratie“, befindet sich im Hochsicherheitsgefängnis Combinado de Guantanamo. Er hat mehr als 30 Pfund an Gewicht verloren und leidet an Epilepsie, psychischer Zerrüttung und schweren Kopfschmerzen. Santos muss seit mittlerweile mehr als neun Monaten medizinische Beachtung entbehren. Wegen seiner offenen Ablehnung des Castro-Regimes war er in der Vergangenheit mehrfach inhaftiert. Santos Lopez ist der Gründer der Organisation “Kreuz der Opposition”, die ein großes Kreuz – sichtbar für alle – durch alle Stadtteile Havannas getragen hatte. Im Hochsicherheitsgefängnis in Guira de Melena befindet sich Francisco Moure Salabarría, Präsident der „Bewegung zur Befreiung von Freiheit und Demokratie“, in Haft. Er hat den größten Teil seiner Sehkraft verloren, leidet an Muskelschmerzen und Schlafstörungen. Als Resultat der Wasserverschmutzung im Gefängnis leidet er an Durchfall, berichtet die IGFM. Salabarría verurteilt weiterhin hartnäckig die Ideologie des Castro-Regimes.

Emilio Leyva Perez, Gewissensgefangener und Präsident der “Frente Línea Dura”, ist inhaftiert im Gefängnis Kilo 5,5 in Pinar del Rio. Er leidet an einem Magen- und Zwölffingerdarmgeschwür, Eingeweidebruch und schlechter Durchblutung, die eine konstante Schwellung seiner Hände und Füße verursacht. Perez beklagt eine gestiegene Zahl an Fällen der Schweinehirtenkrankheit unter den Gefangenen, die der vielen Ratten im Gefängnis geschuldet ist. Er wurde in einer isolierten Zelle ohne Elektrizität und Sonnenlicht gehalten, und das ihm gereichte Essen ist ungenügend und in den meisten Fällen faul.
05.10.2006





Erfolg für oscarverdächtigen Musikfilm in Kuba

Der von der kubanischen Regierung für die Oscar-Kategorie «bester ausländischer Film» vorgeschlagene Streifen «El Benny» über das Leben des Sängers Benny Moré schlägt in seinem Heimatland Rekorde.

Nach zweieinhalb Monaten haben den Film bereits eine halbe Million Kubaner gesehen, was ihn zu einem der meistbeachteten in der Geschichte des kubanischen Kinos macht.

Vor den Kinosälen von Havanna bilden sich lange Schlangen von Menschen, die den Film über den Sänger und Bandleader Bartolomé «Benny» Moré sehen wollen. Moré lebte von 1919 bis 1963 und beherrschte sämtliche Genres der kubanischen Musik. Für den Hauptdarsteller von «El Benny», den Schauspieler Renny Arozarena gab es am Filmfestival von Locarno dieses Jahr bereits den Preis «Boccalino».

Die offiziellen Oscarnominierungen werden im Januar bekanntgegeben. Das Schweizer Bundesamts für Kultur hat mit «Vitus», einem Film des Regisseurs Fredi Murers über ein klavierspielendes Wunderkind, ebenfalls eine Musikerbiografie für eine Nominierung in der Oscar-Kategorie «bester ausländischer Film» vorgeschlagen.
28.09.2006





Russland gewährt Kuba Millionenkredite

Russland räumt Kuba einen Staatskredit in Höhe von 355 Millionen US-Dollar ein, aus dem russische Warenlieferungen und Dienstleistungen finanziert werden sollen.

Ein entsprechendes Abkommen unterzeichnete der russische Regierungschef Michail Fradkow mit kubanischen Regierungsvertretern am Donnerstag in Havanna. Der Kredit wird zu einem Jahreszins von vier Prozent gewährt und hat eine Laufzeit von zehn Jahren, teilte Fradkow mit.

Vereinbarungsgemäß soll Kuba den Kredit bis 2008 in Anspruch nehmen. Aus diesem Geld sollen unter anderem die Modernisierung der kubanischen Energieanlagen und der Eisenbahn sowie die Lieferung von Navigationsanlagen finanziert werden.

Außerdem verständigten sich Russland und Kuba auf eine Umstrukturierung der kubanischen Schulden gegenüber Russland im Wert von 166 Millionen US-Dollar. Das Thema der kubanischen Schulden gegenüber der Ex-Sowjetunion kam bei dem heutigen Treffen nicht zur Sprache. Die Summe dieser Forderungen sei beträchtlich und werde bei weiteren Diskussionen zwischen Moskau und Havanna erörtert, sagte Fradkow, der zur Zeit zu einem Besuch in Kuba weilt.
14.08.2006





Fidel Castro gibt erstes Interview nach seiner Erkrankung

Der kubanische Staatschef beantwortete Fragen des argentinischen Abgeordneten und Journalisten Miguel Bonasso und arbeitet an neuem Buch

Der erkrankte kubanische Revolutionsführer Fidel Castro hat eingeräumt, dass sein hohes Alter zunehmend zum Problem wird. "Man darf ja nicht vergessen, dass die Maschine, die da repariert wird, schon 80 Jahre alt ist", zitierte ihn der argentinische Politiker Miguel Bonasso am Donnerstag in der Zeitung "Página/12". Castro habe ihm bei einem Besuch am Krankenbett erzählt, er habe während der Krankheit fast 20 Kilogramm Gewicht verloren. "Aber fast die Hälfte habe ich schon wieder gutgemacht", habe Castro hinzugefügt.

Viva la revolución!
Die ganze Zeit habe er die Überarbeitung einer Neuauflage des Buches "Cien horas con Fidel" (Hundert Stunden mit Fidel) fortgesetzt. "Ich wollte das zu Ende bringen, weil ich nicht wusste, wie viel Zeit mir noch bleibt", habe Castro gesagt. Bonasso, der in kubanischen Medienberichten als persönlicher Gesandter des argentinischen Präsidenten Néstor Kirchner beim Gipfeltreffen der Bewegung der Blockfreien Staaten in Havanna bezeichnet wurde, hatte sich am Mittwoch nach eigenen Angaben eineinhalb Stunden mit dem Patienten unterhalten.

Nach Fidels Erkrankung habe Kuba seine Sicherheitskräfte mobilisiert. Man habe nicht ausschließen können, dass innerhalb der US-Regierung "jemand ausrastet". Aus Parteikreisen war am Mittwoch verlautet, dass die zivilen Milizen inzwischen demobilisiert worden seien. Castro sprach nun von "absoluter Ruhe", die im Land herrsche.

Der mittlerweile 80 Jahre alte Fidel Castro hatte sich Ende Juli einer schweren Darmoperation unterziehen müssen. Deshalb gab der Staats- und Parteichef seine Ämter nach offiziellen Angaben "vorübergehend" an Verteidigungsminister Raul Castro ab. Dies löste Spekulationen über ein Ende von Fidels 47-jähriger Regierungszeit aus. Er ist der am längsten regierende Staatschef der Welt.
11.-16.09.2006





Blockfreie Staaten konferieren in Kuba - 3000 Delegierte aus 116 Staaten

In der kubanischen Hauptstadt Havanna hat das XIV. Gipfeltreffen der Bewegung der blockfreien Staaten begonnen. 3000 Delegierte aus 116 Staaten wollen bis zum 16. September über die künftige Politik der Bewegung beraten. Laut der kubanischen kommunistischen Parteizeitung «
Granma » liegen vier Dokumente vor, in denen die Blockfreien ihre Rolle in der Welt neu definieren wollen. Darin wird Stellung genommen zu den aktuellen Problemen der Weltpolitik wie dem Krieg im Irak und den «israelischen Aggressionen gegen Palästina und Libanon».

Nach dem Willen des erkrankten kubanischen Revolutionsführers Fidel Castro soll die Bewegung der Staaten vor allem aus der Dritten Welt wieder erstarken. Sie soll gegen die «unilaterale Politik der USA und ihrer Verbündeten Stellung» beziehen.

Zu den Abschlussberatungen am 15. und 16. September werden rund 50 Staats- und Regierungschefs erwartet. Die übrigen Staaten werden lediglich durch hochrangige Vertreter auf Minister- oder Botschafterebene repräsentiert.

Kuba erwartet, dass Fidel Castro trotz seiner Erkrankung einige der wichtigsten Gäste selbst begrüssen wird, darunter UNO-Generalsekretär Kofi Annan. Unklar blieb, ob der kranke Fidel Castro an dem Gipfel teilnehmen oder ob stattdessen sein Bruder Raúl Castro als interimistischer Staatspräsident international ins Rampenlicht treten wird. Derzeit tagen Vertreter der blockfreien Länder in Havanna auf Expertenebene. Am 15. September und 16. September werden rund 50 Staats- und Regierungschefs sowie UN-Generalsekretär Kofi Annan erwartet. Als Ehrengäste wurden neben dem UNO-Generalsekretär der Generalsekretär der Arabischen Liga sowie der Vorsitzende der Afrikanischen Union eingeladen. Die Bewegung der nichtpaktgebundenen Staaten wurde auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges von Ländern, die den militärpolitischen Blöcken nicht angehörten, als Alternative zu den zwei globalen politischen Systemen gegründet.


Kuba übernimmt Vorsitz der nichtpaktgebundenen Länder

Malaysia gibt den Vorsitz an Kuba weiter. Das gab Pedro Monzon Borato, Botschafter Kubas in Malaysia, in einem RIA-Novosti-Interview bekannt. "Wir sind bereit, dieses wichtige Amt während politischer und ökonomischer Instabilität zu bekleiden, die in einigen Mitgliedsländern der Vereinigung zu beobachten ist. Dabei haben wir die Absicht, die Erkenntnisse der malaysischen Seite auszuwerten, die in den letzten drei Jahren die Aufgabe des Vorsitzes effektiv erfüllt hat", sagte der Botschafter.

Ihm zufolge wird die Erhaltung der Einheit in den Reihen der nichtpaktgebundenen Staaten sowie die Steigerung des Einflussnahme jedes der Teilnehmer die wichtigste Aufgabe Kubas als Vorsitzender des internationalen Verbundes werden. In Bezug auf eine mögliche Teilnahme des kubanischen Präsidenten, Fidel Castro, an den Beschlüssen in Havanna sagte der Botschafter, dass er eine solche Möglichkeit nicht ausschließe.


Kuba verweigert Journalisten Visa zum Blockfreien-Gipfel - Kollektive Strafaktion? - Castro-kritischer ARD-Film aus Auslöser?

Kuba behindert deutsche Journalisten gezielt in der Berichterstattung über den 14. Gipfel der 118 blockfreien Staaten in der Hauptstadt Havanna. Zum Gipfel-Beginn am 11. September konnten mindestens fünf Medien keine Korrespondenten entsenden, da sie keine Visa erhielten. Betroffen sind nach epd-Informationen ARD, Deutsche Welle, "Frankfurter Allgemeine Zeitung", "Handelsblatt" und der Evangelische Pressedienst. Dagegen wurde Mitarbeitern anderer Medien wie "Spiegel", ZDF und "Berliner Zeitung" die Einreise offenbar gestattet. Eine offizielle Begründung Kubas für die Verweigerung der Visa liegt nicht vor. Diplomaten in Havanna vermuten eine Art kollektiver Strafaktion gegen deutsche Medien in Reaktion auf den ARD-Film "Rendezvous mit dem Tod" von Wilfried Huismann (epd 04/06). Darin wird die umstrittene These aufgestellt, der kubanische Staats- und Parteichef Fidel Castro habe den Kennedy-Mord 1963 in Auftrag gegeben. Der 1961 gegründeten Blockfreien-Bewegung gehören fast ausschließlich Entwicklungs- und Schwellenländer an.

Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" kritisierte die Missachtung der Pressefreiheit in Kuba. In den vergangenen Wochen seien zunehmend ausländische Journalisten ausgewiesen oder an der Einreise gehindert worden, erklärte die Organisation in Paris. "Reporter ohne Grenzen" kritisierte die Teilnahme von Staatschefs, die "für ihre Geringschätzung der Pressefreiheit bekannt sind". Die Organisation zählt dazu Mahmud Ahmadinedschad (Iran), Pervez Musharraf (Pakistan) und Nguyen Minh Triet (Vietnam) sowie den Gastgeber Fidel Castro. Der Gipfel dürfe Regierungen nicht als Tarnung dienen, die Diktatur und Unterdrückung durch Nord-Süd-Ungleichgewichte rechtfertigen, so die Organisation.


Kuba kritisiert ungerechte Weltordnung - Vizepräsident Carlos Lage Davila bezeichnet US-Interventionen als "faschistisch"

Die ungerechte, von den USA beherrschte Weltordnung hat der kubanische Vizepräsident Carlos Lage Davila am Mittwoch in einer Rede vor den Außenministern der Blockfreien Staaten in Havanna gegeißelt. Zugleich übte Lage scharfe Kritik an Israels Vorgehen im Libanon und gegen die Palästinenser. Außerdem verteidigte er das Recht des Iran auf friedliche Nutzung der Atomenergie, berichtete die kubanische Parteizeitung "Granma" in ihrer Internetausgabe.

Die ungerechte, von den USA beherrschte Weltordnung hat der kubanische Vizepräsident Carlos Lage Davila am Mittwoch in einer Rede vor den Außenministern der Blockfreien Staaten in Havanna gegeißelt. Zugleich übte Lage scharfe Kritik an Israels Vorgehen im Libanon und gegen die Palästinenser. Außerdem verteidigte er das Recht des Iran auf friedliche Nutzung der Atomenergie, berichtete die kubanische Parteizeitung "Granma" in ihrer Internetausgabe.


Kritik an Agrarsubventionen

Die Armut in der globalisierten Welt, so Lage, sei Folge jahrhundertelangen Kolonialismus und Neokolonialismus sowie einer ungerechten Wirtschaftsordnung "und nicht Folge angeblicher Korruption und Unfähigkeit unserer Regierungen, wie sie uns glauben machen wollen". Mehr Privatisierung und Liberalisierung bedeute mehr Ungleichheit und Armut. Die herrschenden Mächte würden den freien Handel propagieren und dabei gleichzeitig Milliarden Dollar täglich zur Förderung ihrer eigen Landwirtschaft ausgeben, drei mal mehr als für die Entwicklungshilfe.

Lage rief dazu auf, für eine Welt zu kämpfen, in der "Aggression und Besatzung" eines Landes durch ein anderes, das sich dadurch Vorteile verschaffen wolle, unmöglich sei. Es dürften auch keine "Aggressionen" mehr geduldet werden, "wie sie das libanesische Volk heute erleidet" und keine "Grausamkeiten wie die Israels gegenüber dem palästinensischen Volk". Es dürfe nicht zugelassen werden, dass einer souveränen Nation der Zugang zu friedlichen Nutzung der Kernenergie verwehrt werde, während anderen geholfen werde, ihr Atomarsenal aufzufüllen, sagte Lage unter Anspielung auf den Atomstreit mit dem Iran und die nicht deklarierten israelischen Atomwaffen.

Ferner forderte Lage eine Reform der Vereinten Nationen. Sie müssten in ein echtes Instrument der Zusammenarbeit und des Friedens umgewandelt werden. Zudem müsse der Sicherheitsrat erweitert und seine Arbeitsweise geändert werden. Die Entscheidungsfindung müsse transparent gestaltet und das "ungerechte und demütigende" Vetorecht bestimmter Staaten abgeschafft werden.


Annan fordert von Entwicklungsländern Achtung der Menschenrechte
UNO-Generalsekretär ruft Blockfreie zu mehr Einigkeit auf - Annan setzt sich für UN-Reform ein - Auch Sicherheitsrat müsse reformiert werden

UNO-Generalsekretär Kofi Annan hat die Entwicklungsländer zur Achtung der Menschenrechte aufgerufen. "Wir brauchen Regierungen des Südens, die ihre Verpflichtungen gegenüber ihren Völkern einhalten", sagte Annan am Freitag beim Gipfeltreffen der Blockfreien vor ranghohen Regierungsvertretern der 118 Mitgliedstaaten in Havanna.

Annan rief zum Kampf gegen Korruption auf und forderte ein "Ende der Unterdrückung von Oppositionsgruppen und Medien". Die Regierungen seien zudem dazu verpflichtet, ihre Bürger vor Völkermord, Kriegsverbrechen, "ethnischer Säuberung" und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu bewahren.

Der UNO-Generalsekretär begrüßte zugleich, dass immer mehr Staaten demokratische Reformen umsetzten und regelmäßig Wahlen organisierten. Viele Staaten der Blockfreienbewegung machten "Fortschritte im Bereich der Menschenrechte". In vielen Entwicklungsländern habe sich eine "aktive Zivilgesellschaft" herausgebildet, "in der die Beteiligung am öffentlichen Leben blüht und wo sich eine aktive freie Presse entfaltet".

Einheitliche und flexible Positionen

Annan ermahnte die Blockfreien dazu, sich mehr auf einheitliche und flexible Positionen zu einigen, damit der Süden auf der internationalen Bühne an Einfluss gewinne. Der UNO-Sicherheitsrat müsse reformiert werden, betonte Annan. "Denn der Eindruck, dass sich die Macht in den Händen Weniger konzentriert, vergrößert das Riskio, dass die Autorität und die Legitimität (des Sicherheitsrates) untergraben werden."

Ein besonderes Lob sprach Annan in seiner Rede auf den erkrankten kubanischen Staatschef Fidel Castro aus, der aus Gesundheitsgründen vorübergehend die Amtsgeschäfte an seinen Bruder Raúl Castro übertragen hatte und sich auf dem Gipfeltreffen von diesem vertreten ließ. Castro habe sich stets sehr für die Blockfreienbewegung eingesetzt, sagte Annan.

Der UNO-Generalsekretär versicherte den Gipfelteilnehmern nach einem Gespräch mit Castro in dessen Krankenzimmer, dass sich der Gesundheitszustand des kubanischen Präsidenten deutlich bessere: "Er hat mir kraftvoll die Hände gedrückt und seine ewige Neugier unter Beweis gestellt."

UN-Reform

Annan hat auf dem Gipfeltreffen nachdrücklich für eine Reform der Vereinten Nationen geworben. Auch das höchste Entscheidungsgremium, der Sicherheitsrat, müsse reformiert werden, weil sonst ein Demokratie-Defizit drohe, sagte Annan am Freitag in Havanna. "Der Sicherheitsrat muss sich reformieren - um der Entwicklungsländer und der Vereinten Nationen selbst willen", sagte Annan.

Der UN-Generalsekretär verwies darauf, dass "die Wahrnehmung einer schmalen Machtbasis die Gefahr in sich birgt, dass die Autorität und Legitimität der Vereinten Nationen erodiert - und auch, wie manche sagen mögen, ihre Neutralität und Unabhängigkeit".

Diesen Punkt sprach auch der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad an: "Die USA verwandeln den Sicherheitsrat in eine Basis zur Durchsetzung ihrer Politik", kritisierte er. "Warum sollten die Völker unter der atomaren Bedrohung durch die USA leben?" Die USA treten im Sicherheitsrat für Sanktionen gegen den den Iran ein, weil nach ihrer Darstellung die Urananreicherung im Zuge des Atomprogramms auch zum Bau von Atomwaffen führen könnte. Teheran betont in dem Konflikt den zivilen Charakter des Programms.


Chavez: "Radikal zu sein ist nicht verrückt"

Der venezolanische Präsident Hugo Chavez warb vor den Vertretern von zwei Dritteln der Staaten dieser Welt für eine Wahl seines Landes unter die nicht ständigen Sicherheitsratsmitglieder bei der Vollversammlung in der kommenden Woche. "Radikal zu sein ist nicht verrückt, sondern die Rückkehr zu unseren Wurzeln", rief er aus. "Lasst uns zu unseren Wurzeln zurückkehren, lasst uns wahrhaft radikal sein." Chavez beendete seine Rede mit dem Schlachtruf des erkrankten kubanischen Staatschef Fidel Castro: "Patria o Muerte!" (Vaterland oder Tod). Chavez hat klar gemacht, dass sein Land als Sicherheitsratsmitglied den iranischen Standpunkt im Atomstreit unterstützen würde.


Chavez will UNO-Sitz nach "Syrien, Brasilien oder Kuba" verlegen - Venezuela strebt nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen an

Der venezolanische Präsident Hugo Chávez schlug bei dem G-15-Treffen zudem vor, den Sitz der Vereinten Nationen in ein Land außerhalb der USA zu verlegen. Als Alternativen zu New York schlug er Syrien, Brasilien oder andere Länder des Südens vor wie Kuba oder Venezuela. Der UNO-Sitz dürfe sich jedenfalls nicht auf dem Gebiet eines "Imperiums" befinden, das unverantwortliche Taten setze.

Venezuela will die Bewegung der Blockfreien benutzen, um die Vorherrschaft der Vereinigten Staaten in der Welt zu brechen. Mit der Präsidentschaft Kubas in der Bewegung sei ein historischer Zeitpunkt gekommen, wieder eine multipolare Welt zu schaffen, mit einem Gleichgewicht der Kräfte, sagte der venezolanische Außenminister Nicolas Maduro am Mittwoch der kubanischen Nachrichtenagentur Prensa Latina. "Wir werden die Hegemonie des nordamerikanischen Imperialismus in den nächsten Jahren brechen", erklärte er.

Sitz im UN-Sicherheitsrat

Venezuela strebt einen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen an und hofft dabei auf zahlreiche Stimmen aus den Reihen der Blockfreien, die sich in diesen Tagen in Havanna zu ihrem XIV. Gipfeltreffen versammelt haben. Durch die neuen Mitglieder Haiti und St. Kitts und Nevis werden der Staatenorganisation, die hauptsächlich in der Dritten Welt verankert ist, künftig 118 Länder angehören.

Zu den Beobachtern der Konferenz gehört zum ersten Mal auch Argentinien, dessen Delegierter, der Schriftsteller Miguel Bonasso, am Mittwoch von dem erkrankten kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro in dessen Krankenzimmer empfangen wurde. Am Donnerstag werden zahlreiche Staats- und Regierungschefs in Havanna eintreffen, darunter auch der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad, um am Freitag und Samstag über die Abschlussdokumente zu beraten.


Deutsche Medien ignorieren Blockfreien-Gipfel

Während der Gipfel der Blockfreien-Bewegung (NAM) in Havanna in den Mitgliedsstaaten aufmerksam verfolgt wird, spielt das Thema in hiesigen Medien kaum eine Rolle. Wird überhaupt berichtet, dann fällt die Betrachtung oft wenig schmeichelhaft aus: Die Süd-Süd-Allianz, an der fast zwei Drittel der UN-Mitglieder teilnehmen, sei »zerstritten und machtlos« (ARD) und »uneins« (Deutsche Welle). Dabei gingen von den Beratungen der ersten Tage durchaus wichtige Signale aus.

Breiten Anklang fand etwa die Rede des kubanischen Vizepräsidenten Carlos Lage, in dem dieser die US-Geopolitik kritisierte: »Durch Kriege und wirtschaftlichen Druck soll eine wahre Weltdiktatur errichtet werden«, sagte Lage, um zu Beginn der Ministerrunde am Mittwoch den Befürchtungen der Mehrheit der Anwesenden Ausdruck zu verleihen: »Die Konzepte von präventiven Kriegen und Regimewechseln sind schlichtweg faschistisch, es sind keineswegs moderne Theorien, die der Verteidigung der Freiheit oder dem Kampf gegen den Terror dienen.«

Daß dieser Konsens in Zeiten sich mehrender Auslandseinsätze der Bundeswehr wenig populär ist, versteht sich. Zur Halbzeit der Konferenz in Havanna beschäftigten sich eine Reihe deutscher Medien am Donnerstag daher nicht mit Inhalten, sondern mit sich selbst. Kuba habe mehreren deutschen Journalisten die Einreise verwehrt, hieß es von ARD, dem Kölner Stadtanzeiger und anderen Redaktionen. Doch die Meldung entpuppte sich schnell als weitaus weniger brisant, als die Präsentation vermuten ließ: Im Kölner Stadtanzeiger etwa wurde ein ARD-Journalist gleich mehrfach gezählt: Für seine Anstalt und für die Deutsche Welle. Deren Sprecher Johannes Hoffmann bestätigte jedoch: »Unser TV-Korrespondent ist in Havanna und kann unbehelligt arbeiten.«

Die kubanische Botschaft in Berlin zeigte sich über die Berichte am Donnerstag verwundert: »996 Journalisten aus 48 Ländern sind in Havanna akkreditiert«, hieß es auf Nachfrage. Darunter seien nicht nur viele Korrespondenten aus Deutschland, sondern auch aus den USA, wo mitnichten nur positiv über Kuba berichtetet werde. Dies allein führe den Vorwurf der gezielten Auswahl von Journalisten ad absurdum. In den Fällen, in denen kein Visum erteilt wurde, seien die Formalitäten nicht erfüllt worden. Doch selbst daraus lassen sich mitunter aufsehenerregende Meldungen produzieren.
19.08.2006





Raul Castro gibt erstes Interview seit Machtübergabe: 'Fidel erholt sich allmählich'

Erstmals seit der Machtübergabe auf Kuba hat sich Fidel Castros Bruder Raul in der Öffentlichkeit geäußert. Dem erkrankten Präsidenten gehe es allmählich besser, sagte das amtierende Staatsoberhaupt in einem am Freitag veröffentlichten Interview der Parteizeitung "Granma". Er sprach von der "außerordentlichen körperlichen und mentalen Natur" des Revolutionsführers.

Raul verteidigte, dass er sich erst rund zwei Wochen nach seiner Machtübernahme in der Öffentlichkeit gezeigt hatte. "Ich bin nicht gewöhnt, außer wenn es nötig ist, häufig öffentliche Auftritte zu machen", erklärte der 75-Jährige. "Ich bin immer diskret gewesen, das ist meine Art." Er schere sich nicht um diejenigen im Ausland, die "darüber spekulieren, wann ich im Fernsehen oder in den Zeitungen erscheine oder nicht." Seine lange Abwesenheit hatte Vermutungen über einen Machtkampf hinter den Kulissen des kommunistischen Karibikstaates ausgelöst.

Nach Fidels Erkrankung habe Kuba seine Sicherheitskräfte mobilisiert. Man habe nicht ausschließen können, dass innerhalb der US-Regierung "jemand ausrastet". Aus Parteikreisen war am Mittwoch verlautet, dass die zivilen Milizen inzwischen demobilisiert worden seien. Castro sprach nun von "absoluter Ruhe", die im Land herrsche.

Der mittlerweile 80 Jahre alte Fidel Castro hatte sich Ende Juli einer schweren Darmoperation unterziehen müssen. Deshalb gab der Staats- und Parteichef seine Ämter nach offiziellen Angaben "vorübergehend" an Verteidigungsminister Raul Castro ab. Dies löste Spekulationen über ein Ende von Fidels 47-jähriger Regierungszeit aus. Er ist der am längsten regierende Staatschef der Welt.
15.08.2006





Der Comandante lebt! - Fotos von Castro im Krankenbett

Zum Beweis der Genesung von Staatschef Fidel Castro hat die offizielle kubanische Presse am Montag zahlreiche Fotos des 80-Jährigen zusammen mit Venezuelas Staatschef Hugo Chávez veröffentlicht.

Unter dem Titel "Ein unvergesslicher Nachmittag unter Brüdern" zeigte das Organ der kommunistischen Partei, "Granma", in seiner Internet-Version unter anderem, wie Castro ein Geschenk von Chávez entgegennimmt. Es sei ein "unvergesslicher Nachmittag" gewesen, den die "Brüder des Blutes und der gemeinsamen Sache" geteilt hätten, hieß es. Auch Castros Burder Raúl, der derzeit die Amtsgeschäfte des Präsidenten führt, war auf den Fotos zu sehen.

Die Tageszeitung "Juventud Rebelde" hatte am Sonntag, dem Geburtstag Castros, vier Fotos des genesenden Präsidenten gezeigt. Die Druckversion der Zeitung war am frühen Morgen nicht erhältich. Castro hatte sich einer Darmoperation unterziehen müssen und war seit Ende Juli nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen worden. Seither halten Spekulationen über seinen Gesundheitszustand und die Nachfolge-Regelung an.

   
   
   


Die gestern auf der Website der Zeitung veröffentlichten Fotos zeigen Castro in einem Trainingsanzug, eines mit der Sonnabendausgabe der kommunistischen Parteizeitung "Granma". Castro kündigte an, seine Genesung werde noch einige Zeit dauern. "Ich fordere Sie alle auf, optimistisch zu sein und gleichzeitig bereit, gegenteilige Nachrichten zu akzeptieren."
14.08.2006





Deutsche machen gute Geschäfte auf Kuba

Wer auf Kuba moderne Stromgeneratoren, Großantennen oder neue Wasserpumpen sieht, der kann sicher sein, dass diese Produkte meistens einen deutschen Namen tragen. Deutsche Unternehmen sind auf der Karibikinsel hervorragend im Geschäft. Die kubanische Regierung erneuert landesweit die Infrastruktur und greift dabei besonders gerne auf deutsche Produkte zurück. "Wegen der guten Qualität der Waren, haben die Hersteller einen guten Ruf auf der Insel", sagt ein europäischer Wirtschaftsexperte in Havanna.

Dass sich an der engen Kooperation beider Länder auf Grund der unklaren politischen Verhältnisse demnächst viel ändert, gilt als unwahrscheinlich. Denn die kubanische Regierung hat 2005 und 2006 zu den Jahren der Energieerneuerung ausgerufen und dafür langfristig hohe Summen bereitgestellt.

Glühbirnen, Pumpen, Autos

Deutsche Firmen haben im vergangenen Jahr Waren und Dienstleistungen für 258,4 Millionen Euro auf die Karibikinsel verkauft. Das entspricht einem Plus gegenüber 2004 von satten 131 Prozent. Auch in diesem Jahr wird ein kräftiger Anstieg der Exporte erwartet. In den vergangenen zwölf Monaten hätten alleine bayerische Unternehmen langfristige Aufträge über insgesamt 500 Millionen Euro unterschrieben, erläutert Wilhelm Boucsein, Kuba-Repräsentant des Freistaates Bayern. Die Produkte, die in Kuba nachgefragt werden, reichen von Sparglühbirnen über Pumpen für Trinkwassersystem bis hin zur Erneuerung des staatlichen Lkw-Fuhrparks. Besonders groß sei das Interesse an Energie-, Kommunikations- und Medizintechnik, ergänzt Boucsein.

Rund 25 deutsche Unternehmen haben Niederlassungen auf der kommunistisch regierten Karibikinsel eingerichtet. Die Palette reicht von kleinen Handelsfirmen über Mittelständler bis zu den großen Multis. Der Schwerpunkt des Engagements liegt im Pharma- und Medizintechnikbereich sowie im Maschinen- und Anlagensektor. Zu den größten deutschen Investments gehören eine Ausgründung von Messer Griesheim, die Industriegase für Krankenhäuser und Industrieanlagen herstellt, sowie Mercedes-Benz mit einer Generalvertretung und einem in Bau befindlichen Servicecenter für Klein-Lkw.

Die Unternehmer vor Ort beurteilen den Investitionsplatz Kuba trotz der Schwierigkeiten im wesentlichen positiv. Zu den Vorteilen zählen die Manager den
großen Erneuerungsbedarf bei der Infrastruktur . Praktisch die gesamte Strom- und Wasserversorgung müsste Insel weit erneuert werden, was Aufträge über Jahre garantiert. Als weiteres Plus gelten die niedrige Kriminalität sowie die gute Ausbildung der Arbeiter: "Die Kubaner sind das am besten ausgebildete Volk Lateinamerikas", sagt Jürgen Selter, der den Chemiekonzern Bayer in Kuba vertritt. Negativ sei in Kuba die große und oft undurchsichtige Bürokratie. So dauere es mitunter drei Monate, bis ein Arbeiter eingestellt sei. Zudem sind die Lohnkosten höher als in anderen Ländern der Region. Der Lohn für eine Putzfrau liegt bei rund 500 Dollar, der für einen Ingenieur ist doppelt so hoch. Die Löhne werden jedoch nicht an die Mitarbeiter, sondern an den Staat gezahlt - in US-Dollar. Der Staat gibt nur einen Teil davon an die Arbeiter weiter - in Peso. Daher zahlen viele ausländische Firmen noch Handgelder in Dollar aus, um das Einkommen der Beschäftigten aufzubessern. Denn der Staatslohn ist mit umgerechnet zwölf Euro im Monat kärglich.

Wie auch immer die Veränderungen auf Kuba mittelfristig aussehen, die deutschen Firmen seien gut aufgestellt, sagt Bayer-Vertreter Selter. Bei einer politischen Kontinuität mit anderen Führungsfiguren werden sie weiter von der angestrebten Ausbesserung der Infrastruktur profitieren. Für nächstes Jahr hat die Regierung in Havanna die Erneuerung der Wasserversorgung zur Priorität erklärt. "Kuba ist ein Zukunftsmarkt", sagt Selter.

(Berliner Zeitung, 12.08.2006)
13.08.2006

Viva la revolución!



Fidel Castro wird 80

Überschattet von Spekulationen über seinen Gesundheitszustand hat der kranke kubanische Staatschef Fidel Castro am Sonntag seinen 80. Geburtstag begangen. Zu der Feier im kleinen Rahmen wurde auch Castros Verbündeter, Venezuelas Präsident Chávez, erwartet. Die kubanische Presse veröffentlichte erstmals seit dessen Operation vor zwei Wochen Fotos des angeschlagen wirkenden Revolutionsführers.

Der linkspopulistische venezolanische Präsident Chávez sagte vor 25.000 Anhängern in Caracas, er werde Castro "stellvertretend für euch alle umarmen" und dem "Máximo lider" verschiedene Geschenke überreichen. Neben einer Geburtstagstorte werde er zwei Gegenständen aus dem Besitz des südamerikanischen Freiheitskämpfers Simón Bolivar mitbringen: einen Dolch sowie eine Porzellantasse mit einer Abbildung von Napoleon Bonaparte.
Chavez wurde auf dem Flughafen von Havanna von Raul Castro empfangen, der seinen Bruder während dessen Krankenhausaufenthalt vertritt. Castro war Ende vergangenen Monats ins Krankenhaus eingeliefert worden. Am Sonntag wurden die ersten Fotos von Castro seit seiner Operation veröffentlicht. In einer Grußbotschaft Castros hieß es, es gehe ihm erheblich besser. Entgegen früheren Planungen feierten die Kubaner den 80. Geburtstag ihres erkrankten Revolutionsführers. Schüler bucken eine riesige Geburtstagstorte, Nachbarschaftskomitees veranstalteten Putz- und Kehrevents, und die Union der Jungen Kommunisten lud zu einem Geburtstagskonzert.

Laut dem Zentralorgan der Kommunistischen Partei Kubas, "Granma", befindet sich Castro nach der Operation wegen Magen-Darm-Blutungen auf dem Weg der Genesung. Nach Berichten der staatlichen Medien kann er inzwischen wieder gehen.

In Havanna nahmen mehrere tausend Menschen an einem Konzert zu Ehren Castros teil. Die offiziellen Geburtstagsfeiern wurden auf den 2. Dezember verschoben, den 50. Gründungstag der Revolutionären Streitkräfte Kubas.

Deutsche Politiker gratulieren Castro

Er ist der dienstälteste Staatschef der Welt, gab nach 47 Jahren die Macht aber inzwischen vorübergehend an seinen Bruder ab. Kubas erkrankter Staatschef Fidel Castro wird am Sonntag 80 Jahre alt. Auch deutsche Politiker haben Castro aus diesem Anlass gratuliert.

Der frühere Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Olaf Henkel, hat dem kranken kubanischen "Maximo Lider" eine Karte geschrieben. Henkel hatte Castro in der Vergangenheit bereits dreimal persönlich getroffen und beim letzten Mal eine Zigarrenkiste mit Widmung von ihm erhalten.

Der Vorsitzende der Linkspartei, Lothar Bisky, wird dem alternden Revolutionär ebenfalls eine persönliche Grußbotschaft zukommen lassen. Über deren Inhalt wollte er sich allerdings nicht äußern. Der Chef der Links-Fraktion im Bundestag, Oskar Lafontaine, wünschte dem Kubaner, "dass seine Gesundheit schnell wieder hergestellt wird". Es sei "an der Zeit, dass die USA ihre seit Jahrzehnten bestehende Blockade gegen Kuba aufgeben", betonte Lafontaine.

Berlins CDU-Spitzenkandidat Friedbert Pflüger hingegen blickte auf die Schattenseiten von Castros Herrschaft: "Ich wünsche ihm die Weisheit zu erkennen, dass Menschen für die Freiheit geboren werden und nicht für eine Ideologie", sagte Pflüger. Selbst solch ein Wunsch war FDP-Chef Guido Westerwelle noch zu viel des Guten. "Dieser Mann hat so viele Menschen unglücklich gemacht, dass ich ihm jedenfalls kein Glück wünschen möchte", sagte Westerwelle.

Fidel Castro soll schon wieder auf den Beinen sein

Der kubanische Revolutionsführer war nach amtlichen Angaben in der vergangenen Woche operiert worden und hatte am 31. Juli die Regierungsgeschäfte vorübergehend an seinen Bruder Raúl abgegeben. Über den Gesundheitszustand des Präsidenten gibt es bisher offiziell nur wenig Informationen. Dies förderte zahlreiche Spekulationen, die bis dahin reichten, dass Castro bereits tot sei.

Er soll jedoch angeblich schon wieder arbeiten. Die Parteizeitung "Granma" berichtete heute, Castro sei wieder auf den Beinen. Unter Berufung auf einen Freund Castros ist in der Zeitung von deutlichen gesundheitlichen Fortschritten die Rede. Er habe gesehen, wie Castro einige Schritte durch sein Zimmer gemacht habe. Anschließend hätten beide ein Gespräch geführt.

Putin gratuliert

Moskau. Russlands Staatschef Wladimir Putin hat dem kubanischen Präsidenten Fidel Castro zu dessen 80. Geburtstag gratuliert. In dem Glückwunschschreiben hält sich der Kreml-Chef nicht mit seinem Lob an Castro zurück.

Der kubanische Staatschef sei eine der „meist geachtetsten und schillerndsten politischen Persönlichkeiten der Gegenwart“, so Putin. Der Jubilar setze sich nach wie vor für eine Stärkung der russisch-kubanischen Beziehungen ein, die „von einem Gefühl gegenseitiger Wertschätzung und Sympathie geprägt“ seien. Kuba und Russland würden auch weiterhin „aktive Partner“ bleiben, so Putin, der dem Revolutionsführer zugleich eine baldige Genesung wünschte.

Seit dem Zerfall der Sowjetunion, dem Zusammenbruch des bilateralen Handels und dem Ausbleiben der sowjetischen Wirtschaftshilfe durchlebt Kuba eine schwere Wirtschaftskrise. Fidel Castro ist in Russland wegen seiner selbstbewussten, anti-amerikanischen Politik nach wie vor durchaus populär.
10.08.2006





Kuba will Fernsehempfang einschränken

Die kubanische Regierung versucht den Fernsehempfang ausländischer Sender einzuschränken. Wie die Parteizeitung «Granma» am Mittwoch berichtete, werde «Piraterie und Distribution» von Satellitenschüsseln, die Signale aus Florida empfangen können, mit Strafen von bis zu drei Jahren Gefängnis belegt.

«Ein großer Teil der Programme, die auf diesem Wege nach Kuba gelangen, hat destabilisierenden, einmischenden und subversiven Inhalt», schrieb das Blatt. «Jedes Mal mehr wird darin zu terroristischen Aktivitäten aufgerufen.»

In dem Bericht wird auch die US-Vertretung in Havanna beschuldigt, mit Hilfe von Dissidenten Computer, Radios sowie Satellitenschüsseln und Decoder in Kuba zu verteilen. Kritisiert wird auch die unbefugte Nutzung von Satellitenempfängern und Telefonkarten, die von Touristen oder Auslandskubanern ins Land geschmuggelt würden.

Die Behörden gehen verstärkt gegen privat installierte TV-Satellitenschüsseln vor. Wie Augenzeugen der Nachrichtenagentur epd am Mittwochabend telefonisch aus Kuba berichteten, wollen die Sicherheitskräfte besonders in der Hauptstadt Havanna den in Kuba illegalen Empfang von Satellitenfernsehen unterbinden. Wer ertappt wird, muss demnach mit hohen Bußgeldern oder einer Haftstrafe von bis zu drei Jahren rechnen.

Computer und Faxgeräte auch betroffen

Begleitet werden die Razzien von einer Medienkampagne, in der dem US-Fernsehen eine «Destabilisierung» Kubas nach der vorübergehenden Rückzug des erkrankten Präsidenten Fidel Castro von der Macht vorgeworfen wird.

Dies diene der Absicht Washingtons, die «kubanische Revolution zu stürzen und sich das Land einzuverleiben», hieß es im Zentralorgan der Kommunistischen Partei Kubas, der Tageszeitung «Granma». Auch private Computer, Kurzwellenradios, Modems, Faxgeräte und Fotokopierer dienten den «Söldnern innerhalb der Insel».

Mehrere Tausend Satellitenschüsseln

Nach Schätzung der Opposition sind in Kuba mehrere tausend illegale Satellitenschüsseln in Betrieb, die meist mit mehreren Fernsehern in der Nachbarschaft verbunden sind. Diese so genannten Spinnennetze verschaffen dem Besitzer der Satellitenschüssel ein Nebeneinkommen von bis zu 100 Dollar monatlich. Dies gilt nach kubanischem Strafrecht als «illegale Bereicherung».
10.08.2006





USA: In der Zwickmühle der Kuba-Politik

Wird er an die Macht zurückkehren, oder ist der Wechsel auf Kuba bereits eingeläutet? Seit der kubanische Staatschef Fidel Castro wegen einer Darmoperation vergangene Woche erstmals nach Jahrzehnten die Macht abtreten musste, brodelt die Gerüchteküche. Die Lage ist völlig undurchsichtig.

Da in den USA in wenigen Monaten die wichtigen Kongresswahlen anstehen, stellt das US-Präsident George W. Bush allerdings vor ein ernstes Problem: Einerseits muss er sich die wichtige Wählerschaft der Exil-Kubaner gewogen halten; andererseits kann es sich Washington zurzeit nicht erlauben, Kuba zu destabilisieren.

"Aufmerksamer Beobachter"

In der US-Presse wird ausführlich darüber berichtet, wie sich Washington auf einen Regimewechsel einzustellen versucht. Der Sprecher des Weißen Hauses, Tony Snow, bestätigte mittlerweile die Vorbereitungen. "Es gibt Entwürfe, und wir versuchen darüber nachzudenken, was passieren könnte, falls sich die politische Lage in Kuba ändern sollte", sagte er am Dienstag auf Bushs Ranch in Texas. "Wenn es einen Wechsel gibt, einen dramatischen Wechsel der politischen Lage in Kuba, könnte es entsprechende Anpassungen in der US-Politik geben." Bislang sei Washington jedoch nur ein aufmerksamer Beobachter der Entwicklungen.

Bushs Sonderbeauftragter für Kuba, Caleb McCarry, wurde da schon deutlicher. "Die USA haben vor, den Kubanern eine umfangreiche Unterstützung zu gewähren, damit sie ihre Wirtschaft wiederaufbauen können", sagte der offizielle "Koordinator für die Übergangszeit in Kuba" am Wochenende dem US-Sender Fox News. Washington werde zudem eine "Sonderhilfe zur Organisation freier und gerechter Wahlen gewähren" sowie "Verwaltungshilfen für die humanitären Bedürfnisse".

Auffällig ist: Die US-Regierung scheint einen Regimewechsel in Kuba derzeit eher durch sanften Druck als durch Drohungen anzusteuern. Nach Jahrzehnten der harten Linie mit Wirtschaftssanktionen und Anschlagsversuchen, die Washington gegen Castro verfolgt hatte, verhält sich die Regierung Bush eher vorsichtig. "Destabilisierung Kubas wünscht sich niemand"

Für den Wirtschaftsexperten Ian Vasquez vom Cato-Institut in Washington hat das einen guten Grund: Angesichts der zahlreichen Brandherde im Nahen Osten können die USA sich nicht noch die Destabilisierung Kubas leisten. Denn eine politische Krise auf der Nachbarinsel könnte eine neue Flüchtlingsbewegung wie 1994 nach sich ziehen. Damals drängten rund 35.000 Kubaner in die USA. "Eine Flüchtlingswelle nach Florida wäre politisch keine gute Sache", sagt Vasquez. "Eine Destabilisierung Kubas wünscht sich niemand und schon gar nicht Bush, denn der hat in der Außenpolitik schon zu viele Themen auf der Agenda." Presseberichten zufolge hat die Küstenwache vorsichtshalber Notfallpläne ausgearbeitet; auch das Einwanderungsgesetz solle überprüft werden.

Den US-Präsidenten bringt dies in eine Zwickmühle. Die Exilkubaner im US-Bundesstaat Florida spielten bei der umstrittenen Präsidentschaftswahl im Jahr 2000 das Zünglein an der Waage, als es um die Wiederwahl Bushs ging. Bereits zwei Tage nach der Verkündung von Castros Machtabgabe rief ein Teil der Exilgemeinde nun dazu auf, die Krankheit des Präsidenten zum Umsturz zu nutzen. Die US-Regierung befürchtet, dass die Exilanten noch radikaler auftreten und vor allem massiv Entschädigungen für Verstaatlichungsaktionen unter Castro fordern könnten, was die Lage in Kuba noch heikler gestalten könnte, als sie nach einem Regimewechsel ohnehin wäre. Am Montag gestand Bush den Exilkubanern ein Recht auf Entschädigungen grundsätzlich zu - aber erst für die Zeit nach einem Regimewechsel in Havanna. (Von Antonio Rodríguez, AFP)
09.08.2006





Kuba mobilisiert Reservisten

Eineinhalb Wochen nach der vorübergehenden Amtsübernahme hat die Regierung von Raúl Castro mit einer Mobilisierung von Reservisten begonnen. Die wegen der Ferien leer stehenden Studentenwohnheime würden nun von Reservisten belegt, war am Mittwoch in Havanna zu erfahren. Auch die Sicherheit in den Straßen der Hauptstadt Kubas wurde durch die Streitkräfte verstärkt.

Zum Grund der Mobilisierung gab es zunächst keine Informationen. Bereits in der vergangenen Woche hatten die kubanischen Medien berichtet, dass die Streitkräfte zur Verteidigung des Landes gegen jede Intervention von außen bereitstünden. Anzeichen für Demonstrationen oder Proteste von Oppositionellen waren bis zum Mittwoch nicht erkennbar.

Über den Gesundheitszustand des vor zehn Tagen operierten Revolutionsführers Fidel Castro gab es keine neuen Verlautbarungen. Offiziell heißt es, dass er auf dem Wege der Besserung sei und möglicherweise im Dezember wieder in seine Ämter zurückkehren werde. Der fast 80-jährige Castro hatte die Führung des Landes vorübergehend an seinen Bruder und Stellvertreter Raul (75) übergeben. Berichte, der Präsident sei an Magenkrebs erkrankt, wurden dementiert.

Machtübergabe begonnen?

Erstmals hatte am Montag ein Regierungsmitglied von einer "friedlichen Machtübergabe" in Kuba gesprochen. Die Erwartung der US-Regierung, dass Kuba im Chaos versinke, sei nicht erfüllt worden, sagte das Staatsratsmitglied Roberto Fernandez Retamar Reuters zufolge. "Sie haben nicht damit gerechnet, dass eine friedliche Nachfolge möglich ist", erklärte der Schriftsteller.

Beobachter in den USA gehen unabhängig vom Verlauf der Krankheit Castros davon aus, dass in Kuba eine Übergangsperiode begonnen hat. Wenn Fidel Castro geschwächt sei und bald sterbe, könne sein alternder Bruder Raul für einige Jahre die Herrschaft übernehmen und das Land auf sein eigenes Abtreten vorbereiten, sagte der Kuba-Experte Frank Mora vom National War College in Washington. "Danach würden wir allerdings vom Ersten unter Gleichen zu lauter Gleichen übergehen", sagte Mora. Dies könnte einen Machtkampf bedeuten, zumindest würden aber die Nachfolger darum wetteifern, wer als Erbe der Castros auftreten dürfe.

Ex-Weggefährte Castros gestorben

Unterdessen wurde bekannt, dass Gustavo Arcos Bergnes, der älteste kubanische Dissident, am Dienstag im Alter von 79 Jahren gestorben ist. Arcos Bergnes, der das Kubanische Komitee für die Menschenrechte (CCPDH) anführte, erlag in einem Krankenhaus in Havanna einem Herzschlag, wie Oppositionskreise am Dienstag mitteilten.

Arcos Bergnes gehörte zu den frühesten Mitstreitern Fidel Castros. Er war bis 1964 Botschafter Kubas in Belgien. Wegen Differenzen mit der revolutionären Regierung nahm er seinen Abschied. Gemeinsam mit seinem Bruder Sebastian gründete er 1978 die CCPDH, die als erste Dissidentengruppe auf Antilleninsel gilt.

Vertreter der Exil-Kubaner in Miami reagierten betroffen auf die Todesnachricht. Arcos habe nie aufgehört, für die Befreiung Kubas zu streiten, erklärte der Kongressabgeordnete Lincoln Diaz-Balart. In einer Zeit, da ein demokratischer Wandel möglich scheine, werde Arcos schmerzlich vermisst, ergänzte Diaz-Balart mit Blick auf die schwere Erkrankung Castros.

10.08.2006





Konzerne kämpfen um Havana Club

Zwischen dem Spirituosenkonzern Pernod Ricard und seinem Rivalen Bacardi ist ein neuer Streit um die kubanische Rummarke Havana Club ausgebrochen. Ursache ist ein Beschluss der US-Patentbehörde, die dem von Pernod Ricard vertriebenen Getränk die Verlängerung des Markenschutzes verweigert.

Bacardi hatte auf die Entscheidung gedrängt und will nun eine eigene Variante von Havana Club auf den US-Markt bringen. Der Pariser Konzern kündigte juristische Schritte an. "Pernod Ricard wird seine Rechte energisch verteidigen", sagte eine Sprecherin am Mittwoch. Das Unternehmen vermarktet Havana Club gemeinsam mit dem kubanischen Staat.

Im Rumgeschäft ist Pernod Ricard ein scharfer Konkurrent von Bacardi. Das auf den Bahamas beheimatete Unternehmen ist dabei, die Markenrechte von Havana Club auch in anderen Ländern einzufordern. Rechtsstreits wie in den USA gibt es in Indien, Nicaragua und den Bahamas. Bacardi hat es zudem auf die Rechte in Spanien und Kanada abgesehen. In Tadschikistan, Kirgisien und Kroatien besitzt Bacardi die Rechte bereits. Eine endgültige Niederlage in den USA könnte künftige juristische Streits beeinflussen.

Kein Rum für die USA

Pernod Ricard und der kommunistische Inselstaat durften den Rum bislang nicht in den USA verkaufen, da kubanische Waren in den Vereinigten Staaten einem Embargo unterliegen. Nach einem möglichen Ende des Regimes von Staatschef Fidel Castro könnten die Handelsschranken jedoch fallen. Die Wachstumschancen sind erheblich. Der Rumabsatz steigt in den USA pro Jahr um fünf bis sieben Prozent.

Staatschef Fidel Castro hatte 1994 mit Konzernchef Patrick Ricard ein Joint Venture gegründet. Danach wird Havana Club weiter auf Kuba hergestellt, während sich der Pernod Ricard um die Vermarktung kümmert. Die Absatzmenge stieg in zwölf Jahren von 2,7 Millionen Liter auf 21,6 Millionen Liter. Havana Club weist unter den Spirituosen von Pernod Ricard das höchste Wachstum hinter dem Wodka Stolichnaya auf.

Unternehmen enteignet

Die kubanische Unternehmerfamilie Arechabala brannte Havana Club erstmals 1935 und exportierte den Rum in die USA sowie andere Länder. Im Zuge der Revolution beschlagnahmte das kommunistische Regime 1960 die Anlagen. Die Arechabalas flohen in die USA. Mitte der 90er Jahre verkauften sie das Rezept für den legendären Rum an Bacardi. Das Unternehmen gehört einer Familie von Exilkubanern. Sie beanspruchen seitdem ebenfalls die Markenrechte für Havana Club. Kuba hatte sich die US-Rechte erstmals 1976 gesichert.

Sympathien für Fidel Castro

Obwohl das Vermögen von Konzernchef Patrick Ricard auf rund 800 Mio. Euro geschätzt wird, zeigt er Sympathien für den kommunistischen Staatschef Kubas. "Man kann politisch von ihm halten, was man will, aber er ist ein eindrucksvoller Typ", sagte er 2005 im FTD-Interview über Fidel Castro. Pernod Ricard ist hinter dem britischen Konkurrenten Diageo der nach Absatzmenge zweitgrößte Spirituosenkonzern der Welt. Das französische Unternehmen rückte im vergangenen Jahr weiter an die Spitze vor, als es den britischen Wettbewerber Allied Domecq für 11 Mrd. Euro übernahm.

Flucht vor Fidel Castro

Auch die Bacardis waren 1960 vor Fidel Castro geflohen, nachdem sie zuvor noch die Revolutionäre mit Waffen und Geldern gegen Diktator Fulgencia Batista unterstützt hatten. Die Euphorie verflog jedoch schnell nach dem Sieg der Revolution. Denn anders als erwartet, hatte Castro keinerlei Interesse, sie an der Regierung zu beteiligen.

Kurz vor der Enteignung hatte das Unternehmen die Marke Bacardi auf den Bahamas registriert, wohl ahnend, dass es auf Kuba keine Zukunft hatte. Dass es sich dennoch als rechtmässiger Besitzer des Rumgeschäftes auf Kuba begreift, zeigt der Spruch von Rodriguez Marquez. "Kuba - das sind wir!", proklamierte 2001 der damalige Bacardi-Pressesprecher, der mit einer Bacardi-Erbin verheiratet ist.

Bacardi startete eine neue Produktion in Puerto Rico und vertrieb seinen eigenen Havana-Club-Rum zeitweise in den USA und anderen Ländern. Im Laufe des Rechtsstreits mit Pernod Ricard stellte Bacardi die Herstellung ein. Die Bacardi-Gruppe machte wiederholt deutlich, dass sie die Marke Havana Club von den rechtmäßigen Eigentümern erworben habe. Pernod Ricard präsentiert sich hingegen als Besitzer des Originalprodukts, das auf der Zuckerrohrinsel hergestellt wird. "Um die Qualität zu garantieren, hat die kubanische Regierung ein Originalsiegel entwickelt", erklärte Pernod Ricard. Der Konflikt mit Bacardi läuft seit zehn Jahren.

Dass der Streit um Havana Club just zu dem Zeitpunkt hochkocht, als Fidel Castro aus Gesundheitsgründen das Amt an seinen Bruder Raul abgibt, wird bestritten. Auch von der US-Patentbehörde.

Unbestritten ist jedoch, dass Bacardi bereits vor vier Jahren den Gouverneur von Florida, Jeb Bush, einschaltete und der Bruder von Präsident George W. Bush daraufhin für das Unternehmen beim Patentamt intervenierte. Florida ist der größte Absatzmarkt für Rum in den USA, und Kuba liegt nur 140 Kilometer entfernt Die Familie Bacardi machte sich Mitte der 90er Jahre für den Helms-Burton-Act stark. Dieses US-Gesetz verschärfte die Handelssanktionen gegen Kuba. Das nicht börsennotierte Unternehmen schaltete vor vier Jahren zudem den Gouverneur von Florida, Jeb Bush, ein. Der Bruder des US-Präsidenten intervenierte beim US-Patentamt gegen Pernod Ricard und Kuba.
09.08.2006





400 Prominente solidarisch mit Kuba - Warnung vor US-Einmischung

Über 400 namhafte Intellektuelle, Künstler, Schriftsteller und Menschenrechtsaktivisten zeigen sich solidarisch: »Kubas Souveränität muß respektiert werden«, verlangen sie in einer »Deklaration«, die am Montag in Havanna der Weltöffentlichkeit vorgestellt wurde. Beunruhigend seien insbesondere die zunehmenden Versuche der USA, den Gesundheitszustand von Kubas Präsident Fidel Castro für eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes zu mißbrauchen. Wenn man »die Militarisierung der Außenpolitik der aktuellen US-Regierung und ihr Handeln im Irak in Betracht zieht«, so die Unterzeichner, käme es vor allem auf eines an: »Wir müssen um jeden Preis eine neue Aggression verhindern.«

Das Dokument wurde vom kubanischen Schriftsteller Roberto Fernandez Retamar auf einer Pressekonferenz in der kubanischen Hauptstadt veröffentlicht. Zu den Unterzeichnern des Briefes gehören unter anderem die Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu (Südafrika) und Rigoberta Menchu (Guatemala), die Schriftsteller José Saramago (Portugal), Wole Soyinka (Nigeria), Adolfo Pérez Exquivel (Argentinien), Dario Fo (Italien), Nadine Gordimer (Südafrika), Harry Belafonte und Angela Davis (beide USA), die Befreiungstheologen Ernesto Cardenal (Nicaragua) und Leonardo Boff (Brasilien), die Sänger Manu Chao (Frankreich) und Daniel Viglietti (Uruguay).

Indes verschärfte Washington seinen Kurs gegen das unabhängige Kuba weiter. Am Dienstag berichtete die Nachrichtenagentur AFP über ein ihr vorliegendes Papier des US-»Heimatschutzministeriums«, laut dem das kubanische Volk »in seinem Streben nach einer freien und florierenden Gesellschaft« unterstützt werden soll. Wie das geschehen soll, wird nicht weiter ausgeführt. Allerdings läßt der Schwerpunkt der Gesetzesvorlage erahnen, daß auf der Insel neue Fluchtbewegungen zur Destabilisierung der Gesellschaft angezettelt werden sollen. So kündigt das US-Ministerium Maßnahmen zur »Förderung« einer »sicheren, legalen und ordentlichen Migration« an.
08.08.2006





Erster Hinweis auf vollständigen Rückzug Castros - Spekulationen halten an

Trotz aller Dementis - es wird immer wahrscheinlicher, dass die Ära Fidel Castro zu Ende geht. Erstmals hat heute ein hohes Regierungsmitglied davon gesprochen, dass eine "friedliche Machtübergabe" stattgefunden habe. Ein Parteifunktionär sagte, Castro werde sein Arbeitspensum einschränken müssen.

"Die friedliche Übergabe hat stattgefunden", sagte der führende kubanische Intellektuelle und Staatsratsmitglied Roberto Fernandez Retamar. Die Erwartung der US-Regierung, dass Kuba nun im Chaos versinke, sei nicht erfüllt worden. "Sie haben nicht damit gerechnet, dass eine friedliche Nachfolge möglich ist", erklärte der Schriftsteller heute.

Fernandez Retamar ist das erste Mitglied der kubanischen Regierung, das von einer Machtübergabe spricht. Der bald 80-jährige Staats- und Parteichef Castro hatte nach offiziellen Angaben in der vergangenen Woche wegen einer Darmoperation die Amtsgeschäfte nur vorläufig an seinen 75 Jahre alten Bruder und designierten Nachfolger Raul übergeben. Seitdem wurden beide nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen.

Nur wenige Stunden zuvor hatte es erneut Versuche gegeben, den Spekulationen über die künftige Machtverteilung ein Ende zu setzen. Der kubanische Vizepräsident Carlos Lage hatte bei einem Besuch in Bolivien mitgeteilt, Castro sei nach seiner Operation auf dem Weg der Besserung. "Es wird einige Wochen dauern, aber er wird sich erholen", sagte Lage. Ein Parteifunktionär mittleren Ranges sagte in Havanna, Castro habe die Intensivstation verlassen. Es gehe ihm "so gut, wie man es bei seinem Alter erwarten kann". Allerdings werde Castro vielleicht künftig sein Arbeitspensum einschränken müssen.

"Castro hart wie Tropenholz"

Die kubanische Regierungszeitung "Granma" veröffentlichte heute keine Nachrichten über den Gesundheitszustand Castros. Stattdessen druckte sie ein Gedicht ab, in dem der Politiker mit einer widerstandsfähigen kubanischen Baumart verglichen wird, die wegen ihrer Härte als "Axtbrecher" bekannt ist. Castro sei wie ein Caguairan, schrieb "Granma". Dieses vor allem im Osten Kubas verbreitete Tropenholz sei "unbestechlich, kompakt, von außergewöhnlicher Härte". Den Vergleich habe zuerst "ein Freund" Castros angestellt, der den Staatschef am Sonntag besucht habe und von dessen Genesungsverlauf beeindruckt gewesen sei, berichtete die Parteizeitung.

Die kubanische Gewerkschaft CTC teilte mit, binnen drei Tagen hätten im ganzen Land drei Millionen Arbeiter an Kundgebungen teilgenommen, um Castro gute Besserung zu wünschen und seinem Bruder sowie der Kommunistischen Partei ihre Unterstützung zuzusichern.

Kubas Regierung macht keine genauen Angaben zur Art von Castros Erkrankung und bezeichnet diese als Staatsgeheimnis. Als Grund für die Operation wurden Blutungen angegeben, die durch Überarbeitung und Stress ausgelöst worden seien. Berichte, Castro leide an Magenkrebs, haben die kubanischen Behörden zurückgewiesen. Beobachter in den USA gehen unabhängig vom Verlauf der Krankheit Castros davon aus, dass in Kuba eine Übergangsperiode begonnen hat.

Wenn Fidel Castro geschwächt sei und bald sterbe, könne sein alternder Bruder Raul für einige Jahre die Herrschaft übernehmen und das Land auf sein eigenes Abtreten vorbereiten, sagte der Kuba-Experte Frank Mora vom National War College in Washington. "Danach würden wir allerdings vom Ersten unter Gleichen zu lauter Gleichen übergehen", sagte Mora. Dies könnte einen Machtkampf bedeuten, zumindest würden aber die Nachfolger darum wetteifern, wer als Erbe der Castros auftreten dürfe.

Castros Tochter Alina wird CNN-Kommentatorin

Der US-Nachrichtensender CNN teilte unterdessen mit, er habe Castros Tochter Alina Fernandez unter Vertrag genommen. Sie werde künftig als Kommentatorin für CNN in Miami arbeiten. Die bereits 1993 aus Kuba geflohene Journalistin arbeitete bislang für einen Radiosender in Miami, wie eine CNN-Sprecherin in Berlin mitteilte.

Die marxistische kolumbianische Rebellengruppe FARC wünschte Castro in einer Botschaft auf ihrer Internetseite gute Genesung und sandte ihm "einen brüderlichen sozialistischen und bolivarischen Salut der Solidarität". Die von Kolumbien und den USA als terroristisch eingestufte Gruppe bezeichnet die von Castro geführte Revolution in Kuba als Vorbild für ihren seit 40 Jahren andauernden Kampf für die Errichtung einer sozialistischen Gesellschaft.

Beobachter in den USA gehen unabhängig vom Verlauf der Krankheit Castros davon aus, dass in Kuba eine Übergangsperiode begonnen hat. Wenn Fidel Castro geschwächt sei und bald sterbe, könne sein alternder Bruder Raul für einige Jahre die Herrschaft übernehmen und das Land auf sein eigenes Abtreten vorbereiten, sagte der Kuba-Experte Frank Mora vom National War College in Washington. "Danach würden wir allerdings vom Ersten unter Gleichen zu lauter Gleichen übergehen", sagte Mora. Dies könnte einen Machtkampf bedeuten, zumindest würden aber die Nachfolger darum wetteifern, wer als Erbe der Castros auftreten dürfe
07.08.2006





Havannas Kardinal Ortega: Kirche gegen jede Intervention in Kuba

Die kubanische Kirche würde eine ausländische Intervention auf der Insel niemals akzeptieren oder gar unterstützen. Das erklärte der Erzbischof von Havanna, Kardinal Jaime Ortega Alamino, am Sonntag vor Journalisten in der kubanischen Hauptstadt Havanna.

Nach den Worten des Kirchenführers stehen die Bischöfe mit der provisorischen Führung unter Raul Castro, dem Bruder des erkrankten Präsidenten Fidel Castro, in Kontakt. Auch der Gesundheitszustand des Revolutionsführers sei erörtert worden, sagte Ortega, ohne auf Einzelheiten einzugehen.

Die Bischofskonferenz des kommunistischen Inselstaates hatte am Sonntag in ihrem Hirtenbrief die Gläubigen aufgefordert, für Castro zu beten, und sie aufgerufen, Ruhe und Frieden zu wahren. Auf die Frage nach der Lage Kubas angesichts der Erkrankung Fidel Castros, der das Land 47 Jahre lang beherrscht hat, sagte Ortega: "Wir kubanischen Katholiken beten für das Vaterland, wir beten für Kuba in diesem Moment und für diejenigen, die es regieren."

US-Amerikanischer Katholischer Publizist: Fidel Castro keine Träne nachweinen

Wenn der schwer erkrankte kubanische Diktator Fidel Castro stirbt, sollte ihm die Welt keine Träne nachweinen. Diese Ansicht vertritt der katholische Publizist George Weigel in einer Kolumne in der Los Angeles Times. Zwar sei der 79-jährige Kommunist kein Massenmörder vom gleichen Kaliber wie Hitler, Stalin, Pol Pot oder Mao Tse Tung, aber er sei gleichwohl ein „mörderischer Diktator“. So dürften die „scheußlichen und grotesken Verhältnisse“, in denen er seine politischen Gefangenen halte, nicht vergessen werden. Auch habe es Castro fertig gebracht, die Hauptstadt Havanna während seiner 47-jährigen Herrschaft in ein „karibisches Sarajewo“ zu verwandeln – „nicht mit Mörsern und Raketen, sondern durch eine hirnlose Ideologie“. Weigel – Mitglied des Zentrums für Ethik und Politik in Washington und Biograf von Papst Johannes Paul II. – hatte den Pontifex unter anderem auf seiner Kuba-Reise im Jahr 1998 begleitet. Es sei das einzige Mal gewesen, dass Fidel Castro nicht allein im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit in Kuba gestanden habe. Fidel Castro hat die Regierungsgeschäfte wegen einer Darmoperation vorübergehend seinem jüngeren Bruder und Stellvertreter Raul (75) übertragen. Von den 11,2 Millionen Einwohnern Kubas sind etwa 47 Prozent Kirchenmitglieder, die meisten davon Katholiken. 36 Prozent sind ohne Religionszugehörigkeit und 17 Prozent Spiritisten
07.08.2006





Kuba verlässt sich auf die neuen Freunde - Ökonomische Abhängigkeit von Europa schwindet

Die plötzliche Erkrankung von Kubas Staatschef Fidel Castro fällt in eine Zeit des politischen und wirtschaftlichen Umbruchs auf der Insel. Seit geraumer Zeit bereits orientiert sich die Führung des Landes neu. Dabei lautet die Devise: Weg von alten Zweckbündnissen mit kritischen Begleitern und hin zu Allianzen mit treuen und gleichgesinnten Freunden. Weg von Europa und hin nach Venezuela, Bolivien und China. Dies gilt vor allem wirtschaftlich.

Die plötzliche Erkrankung des Staats- und Regierungschefs könnte dieser Entwicklung eine neue Dynamik verleihen. Denn es ist anzunehmen, dass Kuba angesichts der Schwäche des "Maximo Lider" die Reihen fester schließt, um die von draußen und von innen drohenden Gefahren abzuwehren

Engster Verbündeter Kubas bleibt Venezuela, das mit 90 000 Fass Öl, die es täglich zum Vorzugspreis nach Havanna liefert, erheblich zur Linderung der Energiekrise und der Entlastung der Devisenbilanz Havannas beiträgt. Einen Teil des Rohstoffs zahlt Kuba mit langfristigen Krediten oder verrechnet es gegen die Gehälter kubanischer Ärzte und Lehrer, die im Rahmen der "Missionen" in den Slums der venezolanischen Städte arbeiten.

Nachdem Kuba und Venezuela jüngst im Rahmen des alternativen Kooperationsbündnisses ALBA auch noch Boliviens Präsidenten Evo Morales in ihr wirtschaftliche Zusammenarbeit integriert haben, erhält die Insel künftig zu Vorzugskonditionen landwirtschaftliche Produkte und Gas aus dem Andenstaat. Kaum mehr gebraucht als Wirtschaftspartner wird da die Europäische Union. Zwar sind Firmen aus den EU-Staaten noch immer der größte Investor auf Kuba und waren bis zum Verschlechterung der diplomatischen Beziehungen im Juni 2003 der bedeutendste Kooperationspartner der Insel. Aber die Zahl der Beteiligungen europäischer Firmen an den Gemeinschaftsunternehmen ist von 400 auf deutlich unter 300 gefallen.

Hauptdevisenquelle ist nach wie vor der Tourismus, der vergangenes Jahr 2,6 Milliarden Dollar einbrachte. Zweitwichtigste Geldquelle sind die Auslandsüberweisungen der Exil-Kubaner, die so unzählige Familien am Leben erhalten. Vom staatlichen Lohn kann auf der Karibikinsel kaum jemand überleben.

<b>Starkes Wirtschaftswachstum

Allerdings ist Besserung in Sicht. Dank der Entspannung bei der Energieversorgung und einem Anstieg von Exporten und Tourismus wächst die Wirtschaft Kubas. Nach offiziellen Angaben stieg das Bruttoinlandsprodukt 2005 um 11,8 Prozent. Zwar rechnet Havanna in diese Bilanz kostenlos angebotene Dienstleistungen im Bildungs- und Gesundheitsbereich mit ein, aber ein Aufschwung ist dennoch unverkennbar. Für dieses Jahr geht die Regierung von einem Anstieg des BIP um zehn Prozent aus, der von höheren Exporten von Nickel, Medikamenten, Tabak und Zucker sowie einem Plus im Tourismus getragen wird - das dürfte der Führung vorerst Selbstvertrauen verschaffen.
06.08.2006





Havanna-Anleihen feiern Comeback an der Börse - Anleger setzen auf Marktöffnung Kubas nach der Ära Castro

Es gibt beinahe nichts, worauf Börsianer nicht spekulieren. Das zeigt sich dieser Tage auch am Beispiel Kubas. Dort sorgt der Gesundheitszustand des Regierungschefs Fidel Castro für Aufmerksamkeit nicht nur bei den Exilkubanern in Miami, sondern auch Investoren rund um den Globus. Denn der Karibikstaat steht bei vielen Gläubigern noch in der Kreide wegen ausstehender Staatsanleihen. In den achtziger und neunziger Jahren wurden Rententitel im Gesamtvolumen von 2,5 Mrd. Dollar emittiert, deren Schuldendienst seit zwölf Jahren ausgesetzt ist. Die Anleihe-Halter setzen auf einen Regimewechsel in Kuba, der das Land nach Jahren der Isolation öffnen und damit den Weg für eine finanzielle Entschädigung der Gläubiger freimachen könnte.

"Die Vergangenheit zeigt, dass politische Umbrüche oft Bewegung in die entsprechenden notleidenden Papiere brachte. Denn ein sich wirtschaftlich öffnender Staat wird früher oder später den Kapitalmarkt anzapfen wollen und muss dafür zunächst das Problem der Altschulden bewältigen", sagt Patrick Willis, Stratege bei Exotix in London. Hier böten sich jeweils Chancen für Anleger.

Tatsächlich ließen sich in der Vergangenheit bei Regimewechseln oft traumhafte Gewinne mit den notleidenden Papieren erzielen. Beispiel Irak. Nach dem Sturz des Diktators Saddam Hussein erklärte sich das Land bereit, den Besitzern seiner ausgegebenen Schuldtitel 20 Prozent der Summe zurückzuzahlen. Da die Irak-Anleihen, es handelte sich immerhin um das stolze Volumen von 119 Mrd. Dollar, kurze Zeit vor dem politischen Umbruch noch bei zehn Prozent ihres Wertes notierten, ließ sich binnen kurzer Zeit der Einsatz verdoppeln.

Kein Wunder, wenn die Kurse der kubanischen Papiere zuletzt ein gewisses Comeback erlebten und Investoren an eine Wiederholung früherer Erfolgsgeschichten setzen. Notleidende Titel aus dem Jahr 1990 kletterten zuletzt von sechs auf acht Prozent ihres Nennwertes, die Papiere aus den Achtzigern notieren nun zwischen 13 und 16 Cents. Nach einer Analyse des Brokerhauses Exotix könnte Kuba durchaus aus eigener Kraft einen Teil der Altschulden begleichen. Schließlich ist das Land reich an Bodenschätzen wie Öl oder Nickel. Als einer der führenden Zuckeranbauer profitiert der Inselstaat zudem von den gestiegenen Preisen für den Agrarrohstoff. "Sollte erst einmal das US-Embargo aufgehoben werden, hat das Land ein Riesenpotenzial", sagt Exotix-Mann Willis. Welche Wirkung ein solcher Schritt habe könnte, zeige die von US-Präsident Nixon eingefädelte Aufnahme wirtschaftlicher Beziehung zu China im Jahr 1972. Davon hätten auch die Anleihegläubiger profitiert.

Die Krankheit Castros hat insgesamt Bewegung in den Markt für sogenannte exotische Papiere gebracht. So gibt es neben kubanischen Anleihen auch noch notleidende Papiere sudanesischer Provenienz, die zwischen zehn und zwölf Prozent ihres Nominalwertes handeln. Hier sorgt ein möglicher Friedensplan in Darfur für Hoffnungen. Dagegen haben sich die Aussichten für nordkoreanische Anleihen mit den jüngsten Raketentests kurzfristig erst einmal verschlechtert.

Nach Ansicht von Willis sind exotische Papiere ohnehin nur etwas für institutionelle Investoren. Denn zum einen sind die Titel sehr illiquide, Anleger kämen oft über Jahre nicht heraus aus den Papieren. Darüber hinaus könnten die Papiere auch schnell wieder an Wert verlieren, sollte etwa der erhoffte Wandel in Kuba nicht eintreten.
05.08.2006





Spekulationen um den Gesundheitszustand von Castro und die Zukunft Kubas dauern an

Nach dem offiziell als vorübergehend bezeichneten Rückzug Fidel Castros von der Macht halten die Spekulationen um den Gesundheitszustand des kubanischen Staatschefs an. Während der kubanische Parlamentspräsident Ricardo Alarcon mitteilte, Castro befinde sich auf dem Weg der Besserung, berichtete die brasilianische Tageszeitung "Folha", Castro habe Darmkrebs und es gehe ihm schlechter, als von den kubanischen Behörden zugegeben werde. Castro brauche nach seiner Darmoperation weiter Pflege, sei aber bei Bewusstsein und benötige keine Schmerzmittel, sagte Parlamentspräsident Alarcon in Havanna. "Er ist in besserer Form als ich", sagte der 69-jährige Alarcon. "Er kann sprechen und ist in guter Verfassung." Schon kurz nach der Operation habe Castro Briefe diktieren können. Alles Reden über ein angebliches Machtvakuum in Havanna sei vergebens, sagte Alarcon, der auf die Tatsache angesprochen wurde, dass seit der Machtübertragung auf Fidel Castros Bruder Raul vor einer Woche beide nicht vor die Öffentlichkeit getreten waren. Raul Castro sei schließlich "kein Kino-Held", sagte der Parlamentspräsident.

Wegen einer schweren Darmoperation hatte der kubanische Staatschef, der am 13. August 80 Jahre alt wird, am Montag die Amtsgeschäfte an den Bruder übergeben. Raul Castro sei laut Verfassung temporär für das Land verantwortlich und "das ist, was er macht", sagte Alarcon. Die spanische Tagesszeitung "El Pais" berichtetete, Raul Castro habe eine sechsköpfige Mannschaft zusammengerufen, um Kuba zu regieren. Darunter sei unter anderem Außenminister Felipe Perez Roque.

Nach Angaben der brasilianischen Tageszeitung "Folha" informierte die kubanische Regierung den brasilianischen Präsidenten Luiz Ignacio Lula da Silva darüber, dass Castros Gesundheitszustand nach der Operation "wirklich schlecht" sei und er Darmkrebs habe. Lula habe bei einer anschließenden Beratung gesagt: "Es scheint, als würden wir einen Freund verlieren." Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat den Zeitungsbericht dementieren lassen. Für den Bericht der brasilianischen Tageszeitung "Folha" gebe es nicht die "geringste Grundlage", schrieb Präsidentensprecher André Singer am Samstag an das Blatt. Lula sei weder von der kubanischen Führung noch von sonst jemandem über die Ursache von Castros Erkrankung informiert worden.

Die kubanischen Bischöfe forderten die Gläubigen auf, für Fidel Castro zu beten. Keiner der beiden Castro-Brüder war diese Woche in der Öffentlichkeit oder im Fernsehen zu sehen gewesen.

US-Außenministerin Condoleezza Rice hat die Kubaner in einer direkt nach Kuba übertragenen Radioansprache ermuntert, aktiv zu werden. Ohne auf die Krankheit von Kubas Staatschef Fidel Castro einzugehen, rief sie die Menschen am Freitagabend (Ortszeit) auf, sich für «positiven Veränderungen» einzusetzen. Rice habe vor allem Sorge vor einer US-Invasion entgegentreten wollen, berichtete die «New York Times» Die USA hielten humanitäre Hilfe bereit, sagte Rice in der Ansprache, die von Radio Marti und TV Marti, einem speziell für Kuba produzierten US-Programm, übertragen wurde. «Die USA respektieren eure Hoffnungen als souveräne Bürger», sagte Rice. Die USA wünschten sich ein freies, unabhängiges Kuba, das ein enger Verbündeter werde. Es ist unklar, wie viele Kubaner den Marti-Sender empfangen können. Die kubanische Regierung tut alles, um die Signale zu stören.
04.08.2006





Kuba schottet sich ab - Bush fordert zu demokratischem Wandel auf

Nach der Erkrankung von Kubas Staatschef Fidel Castro hat US-Präsident George W. Bush die Bürger der Karibikinsel zum demokratischen Wandel aufgerufen. "Wir unterstützen Euch in dem Streben für eine Übergangsregierung, die der Demokratie verpflichtet ist", sagte Bush in einer ersten Stellungnahme seit dem Machtwechsel auf der Karibikinsel, am Donnerstag (Ortszeit) auf dem Weg zu seiner Ranch im US-Bundesstaat Texas. "Sollte Kuba in eine Phase des Übergangs zur Demokratie treten, werden die USA und das amerikanische Volk alles tun, was wir können", sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Sean McCormack, in Washington. "Ganz klar wäre Fidel Castros Unfähigkeit, weiter zu regieren, oder sein Tod ein bedeutendes Ereignis für das kubanische Volk."

US-Präsident George W. Bush hat die Rolle der Bevölkerung von Kuba bei einem möglichen Regimewechsel betont und Exilkubaner zur Zurückhaltung gemahnt. Bei einem Wandel von einer "tyrannischen Situation" zu einer anderen Gesellschaft müsse die Bevölkerung auf der kubanischen Insel die notwendigen Entscheidungen treffen, sagte Bush am Montag in Crawford. "Wenn das kubanische Volk dann über die Bildung einer neuen Regierung entschieden hat, dann können auch die Exilkubaner sich beteiligen und die Rücknahme der Konfiszierung von Eigentum anstreben", erklärte der US-Präsident weiter. Zahlreiche Exilkubaner fordern die Rückgabe von Besitztümern, die nach der kommunistischen Machtübernahme Fidel Castros 1959 enteignet worden waren.

Der Sprecher des Weißen Hause, Tony Snow, sagte, die USA versprächen sich von Fidel Castros Bruder Raul kein Ende der "Autokratie" in Kuba. Es sei nicht geplant, Kontakt zu ihm aufzunehmen. "Raul Castros Versuch, sich dem kubanischen Volk aufzuzwingen, unterscheidet sich nicht viel von dem, was sein Bruder getan hat", sagte Snow. Der Bruder des kubanischen Machthabers sei ganz sicherlich keine "demokratische Führungsperson".

Die Reaktion aus Havanna kam postwendend. Im kubanischen Fernsehen fassten die führenden Regierungsjournalisten zusammen: Das ist der neue Versuch eines alten Planes der USA, Kuba um die Früchte der Revolution zu bringen. Bush habe im "Delirium und Rausch" geredet, sagte Randy Alonso, der Chef einer Talkshow im staatlichen Fernsehen. Die kubanische Parteizeitung Granma titelte: "Wir stehen zur Verteidigung bereit". Zugleich erhöhte Kuba drei Tage nach der Operation von Fidel Castro angesichts des aggressiveren Tons aus den USA die Verteidigungsbereitschaft. Die Armee berief am Donnerstag Reservisten ein, und die Stadtteil-Komitees zur Verteidigung der Revolution (CDR) wurden aufgefordert, die Wachsamkeit zu verstärken.

In Havanna stieg die Nervosität auch deshalb, weil die Kubaner weiter auf die erste Stellungnahme von Raul Castro warten. Der Verteidigungsminister war am Montag von seinem älteren Bruder Fidel Castro vorübergehend als Staatschef und Oberbefehlshaber der Armee eingesetzt worden. Seitdem hat er sich noch nicht einmal mit einer Erklärung oder direkt an die Bevölkerung gewandt. Fidel Castro hatte sich völlig überraschend einem Eingriff wegen Blutungen im Magen-Darm-Trakt unterzogen, die eigenen Angaben zufolge durch große Strapazen in den vergangenen Wochen ausgelöst worden waren.

Keine Visa für Journalisten

Nach außen schottet sich die Insel derzeit ab. Ausländischen Journalisten wird das Arbeitsvisum verweigert. Reporter, die trotzdem nach Kuba fliegen, werden umgehend nach Hause geschickt. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wurde seit Wochenbeginn etwa 150 Korrespondenten die Einreise versagt. Die internationale Presse habe derzeit großes Interesse an Kuba, aber nirgendwo in der Welt dürfe man als Journalist mit Touristenvisum arbeiten, sagte ein Sprecher des zu Kubas Außenamt gehörenden Internationalen Pressezentrums (CPI). Reporter hatten in den vergangenen Tagen vermehrt versucht, mit einem Urlaubervisum auf die Insel zu kommen. Wer damit bei der Arbeit erwischt wird, werde sofort ausgewiesen, warnte das CPI.

Dem Sender BBC teilte Kubas Botschaft in London mit, Journalistenvisa würden erst wieder zum Gipfel der blockfreien Staaten erteilt, der Mitte September in Havanna stattfindet.

03.08.2006





Karneval von Havanna abgesagt

Eigentlich wollten sie morgen an in den Straßen der Kubanischen Hauptsstadt feiern. Doch angesichts der Gesundheitsprobleme von Staatschef Fidel Castro haben die Veranstalter den Karneval von Havanna erst einmal auf unbestimmte Zeit verschoben. Der neue Termin werde noch bekannt gegeben, kündigte die staatliche kubanische Nachrichtenagentur an. Die Veranstalter hatten für dieses Jahr einen Karneval in einem bescheideneren Umfang als in den vergangenen Jahren angekündigt.

Der Karneval von Havanna wurde schon in spanischer Kolonialzeit von den schwarzen Sklaven gefeiert. In den 90er Jahren fiel er wegen der wirtschaftlichen Krise auf der Karibikinsel fast zehn Jahre lang aus, erlebte dann aber vor allem wegen der in Scharen kommenden Touristen vor fünf Jahren ein Revival. Castro hatte am Montag wegen einer Darmoperation die Amtsgeschäfte "vorübergehend" an seinen 75-jährigen Bruder Raul abgegeben. Es war das erste Mal seit fast einem halben Jahrhundert, dass Castro die Amtsgeschäfte aus der Hand gab.

Inzwischen soll der Revolutionsführer nach Darstellung seiner in den USA lebenden Schwester die Intensivstation des Krankenhauses verlassen haben. Juanita Castro sagte dem Sender CNN, das habe sie auf inoffiziellen Wegen aus Havanna erfahren. "Er ist nicht tot", widersprach sie in Südflorida kursierenden Gerüchten. "Er ist sehr krank, aber er ist nicht tot." Juanita Castro hatte 1963 mit ihrem Bruder gebrochen und lebt in Miami. Nach offiziellen Angaben vom Dienstag ist Castros Gesundheitszustand stabil.
03.08.2006





Fidel Castro bei bester Laune - Stabiler Zustand nach komplizierter Operation

Die Mehrheit der Kubaner hat keine andere Regierung erlebt, als die des kommunistischen Diktators Fidel Castro. Die Nachricht von der schweren Erkrankung des "Máximo Líder" verursacht deshalb bei den meisten Verunsicherung und Besorgnis. Die Regimetreuen bangen, weil sie Angst vor dem Ende des "Fidelismo" haben, und die Kritiker sind verunsichert, weil sie nicht wissen, ob jetzt der lang ersehnte Zeitpunkt für einen Neuanfang gekommen ist.
Sein Gesundheitszustand sei stabil und er sei bei bester Laune, liess Fidel Castro durch einen Sprecher am staatlichen Fernsehen mitteilen. Er werde wohl noch einige Zeit benötigen, um sich ganz zu erholen. Die Situation müsse über mehrere Tage stabil sein, bevor man sich ein Urteil erlauben könne, hiess es weiter in der kurzen Meldung. Selber erschien Castro nicht auf dem Bildschirm. Er entschuldigte sich dafür, keine weiteren Details über seine Gesundheit bekannt geben zu können, denn der Erzfeind USA sei ständig auf der Lauer. Deshalb müsse sein Gesundheitszustand als Staatsgeheimnis behandelt werden. «Das Wichtigste ist, dass alles läuft und weiterhin perfekt läuft», ermahnte Castro seine Landsleute und forderte sie auf, «weiterzuarbeiten und zu kämpfen». Im Anschluss an die Erklärung wurden am Fernsehen Genesungswünsche verlesen, unter anderem jene der beiden lateinamerikanischen Präsidenten Chávez und Morales aus Venezuela und Bolivien.

Ruhe in Havanna

Am Vortag hatte Castro in einer ebenfalls schriftlichen Erklärung verlauten lassen, dass er sich nach einer schweren Darmblutung von einem komplizierten chirurgischen Eingriff erhole. Die Regierungsgeschäfte werden seither von seinem jüngeren Bruder Raúl Castro, dem bisherigen Ersten Vizepräsidenten, geführt. Die Meldung über den kritischen Gesundheitszustand von Castro ist in Kuba mit relativer Ruhe aufgenommen worden. Am Mittwoch gingen Tausende von Bewohnern der Hauptstadt Havanna auf die Strasse, um dem erkrankten Castro ihre Unterstützung zu demonstrieren. Der Dissident und Sacharow- Preis-Träger Osvaldo Payá rief alle Kubaner zur Besonnenheit auf. Gegenüber Auslandskorrespondenten sagte er, man müsse Ruhe und Disziplin bewahren, denn Kuba «ist unsere Heimat, und wir wollen das Beste für unsere Heimat». Der kubanische Parlamentspräsident Ricardo Alarcón wies alle Gerüchte zurück, die vor allem in Miami zirkulierten, wonach Fidel Castro bereits gestorben sei. Der Imperialismus kenne die Grösse von Castro nicht. Dieser werde bis zum letzten Augenblick kämpfen, doch dieser Augenblick sei noch weit entfernt, sagte Alarcón laut kubanischen Medien.

Jubel in Little Havana (Miami)

In Washington wurde betont, die USA hätten keine Veranlassung, ihre Politik gegenüber Kuba zu ändern. Die Tatsache, dass ein Autokrat die Macht an seinen jüngeren Bruder abtrete, bedeute nicht das Ende der Autokratie, sagte der Sprecher des Weissen Hauses. Ungeduldig warten die Exilkubaner in Miami auf jede neue Nachricht aus Havanna. Viele von ihnen bejubeln Castros Erkrankung und wünschen ihm offen den Tod herbei. Der Bürgermeister von Miami Dade, der Kubaner Carlos lvarez, erklärte, dies sei der Anfang vom Ende des Tyrannen, jedermann sei glücklich. Er rief den Demonstranten, die auf der Calle Ocho im Zentrum von Little Havana ihrer überschwänglichen Freude Ausdruck gaben, in Erinnerung, dies dürfe kein Grund sein, Gesetze zu übertreten

"Volksaufstand in Kuba"

MIAMI. Die größte Organisation der Exil-Kubaner in den USA,die FNCA (Kubanisch-Amerikanischen National-Stiftung), hat die Bevölkerung Kubas zu einem Aufstand aufgerufen. Mutige Männer und Frauen, die Kuba auf einen anderen Weg bringen wollten, sollten die Krankheit von Staatschef Fidel Castro zu einem Umsturz nutzen, sagte der Präsident derFNCA, Jorge Mas Santos. Dies könne "eine militärische oder zivile Erhebung" sein, so Santos. Mit der eigenmächtigen Benennung von Nachfolgern behandle Castro die Kubaner wie sein "absolutes Eigentum".
02.08.2006





Was kommt nach Castro? USA im Griff der kubanischen Lobby

In den Schubladen des Außenministeriums liegen Szenarien, die eine neue Kuba-Krise ausmalen: Ein zu plötzlicher "regime change" droht die Insel ins Chaos zu stürzen - mit Folgen für die USA. Der Zeitpunkt scheint nach dem Machtwechsel nahe.

Washington hält sich zurück. Noch jedenfalls.
Geradezu gelangweilt klingen die Reaktionen aus dem Weißen Haus auf die Nachricht, Fidel Castro – Amerikas dienstältester Erzfeind – ringe mit einer schweren Krankheit, vielleicht gar mit dem Tode.

Neun US-Präsidenten hat der Maximo Lider politisch überlebt. Doch den zehnten, George W. Bush, plagen derzeit andere, größere Sorgen.

Irak, der Nahe Osten, Iran, Nordkorea – angesichts all dieser Krisen hinter dem Horizont verlor die Weltmacht das Schicksal der Karibikinsel vor der eigenen Haustür zuletzt aus dem Blickfeld.

Wann immer Regierung oder Kongress in jüngster Zeit Probleme auf Kuba beklagten, meinten sie nicht die Inhaftierung von Dissidenten in Castros Reich, sondern das eigene, sehr leidige Militärlager in der Bucht zu Guantanamo. Das wird sich ändern, sehr schnell sogar. Dafür werden schon jene 650.000 Menschen sorgen, die in Florida als Exilkubaner eine geballte politische Macht aufbieten und bereits erste Freudentänze in Miamis „Little Havanna“ aufführen.

Die einstigen Flüchtlinge der kubanischen Revolution von 1959 sind inzwischen so ergraut wie Castro selbst, viele ihrer Kinder und Enkel haben die Zuckerinsel niemals betreten. Und etliche jener Exilanten, die erst in den achtziger Jahren auf das amerikanische Festland strömten, wünschen sich längst eine Lockerung des strikten US-Handelsembargos oder der drakonischen Reisebeschränkungen.

Bush täte gut daran, die Euphorie seiner Anhänger zu dämpfen.
Nur, bisher war es die streng antikommunistisch gestimmte Lobby, die Washingtons harten Kurs gegenüber Havanna diktierte. Erst am Montag umwarb Bush wieder diese Klientel – die ihm im November 2000 massiv half, die Skandal-Wahlen in Florida und damit sein Präsidentenamt zu gewinnen. Glaubt man Bushs Rhetorik, so ist Kuba nur ein Beispiel von für den weltweiten „Kampf zwischen Freiheit und Tyrannei.“ Solche Parolen ergeben freilich noch keine Politik.

Öffentlich mag Bush das Banner der Freiheit schwenken und – wie erst vor drei Wochen – 80 Millionen Dollar für die kubanische Opposition bereitstellen. Aber gleichzeitig macht die US-Ölindustrie Druck, um jüngst entdeckte Ölfelder vor Kubas Küste zu erschließen. Und in den Schubladen des Außenministeriums liegen Szenarien, die eine neue Kuba-Krise ausmalen: Ein zu plötzlicher regime change droht die Insel ins Chaos zu stürzen. Das könnte eine Flutwelle überaus unwillkommener Immigranten in Barken und Booten vor Floridas Stränden auslösen. An dieser Variante von Liberty hegt Washington kein Interesse.

Präsident Bush täte gut daran, die Euphorie seiner Anhänger in Miami zu dämpfen – und sich endlich zu lösen aus dem Klammergriff der kubanischen Lobby. Das nächste Ärztebulletin kann den Ernstfall bedeuten, für Fidel Castro, für Kuba, für Amerika. Der dann fällige Übergang wird dem großen Nachbarn eine filigrane Politik abverlangen. Also weit mehr als schöne Reden oder die Mobilisierung der Küstenwache.

Kuba nicht vor Neuorientierung

Kuba steht nach Ansicht des früheren deutschen Botschafters Wulffen nicht vor einem grundsätzlichen Wandel. Wulffen sagte bei MDR INFO, Fidel Castro sei ein Stehaufmännchen. Sein Abschied sei noch nicht endgültig. Jetzt müsse erst einmal abgewartet werden, ob Castro sich von seiner Operation wieder erhole. Von einem Machtwechsel erwartet Wulffen keine grundsätzliche Richtungsänderung. Fidels Bruder Raul Castro könne allenfalls die Wirtschaft etwas sanieren. Die kubanische Opposition sei zu schwach, um einen echten Machtwechsel herbeizuführen.


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Das Regime lockert den Kurs
Exil-Kubaner lösen Konflikte aus
US-Amerikaner intervenieren
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01.08.2006

Viva la revolución!

Viva la revolución!

Die Castro brothers

Reaktionen auf Machtübergabe: Bush hofft auf Castros Rückkehr - Jubel in Miami - Betroffenheit in Kuba

US-Präsident braucht den Lieblingsfeind, um seiner Partei die Stimmen der Exil-Kubaner zu sichern


Eigentlich würde George W. Bush Fidel Castro gern Viagra schicken. Oder andere Medikamente, die ihn noch bis zur amerikanischen Präsidentenwahl im November 2008 bei Kräften halten. Denn die Macht kommt in Amerika aus der Wahlkabine, nicht aus Gewehrläufen, und Fidel Castro hat eine wichtige Rettungsankerfunktion für die Republikaner inne: Er ist ein Grund dafür, dass der Bundesstaat Florida bei Wahlen knapp an die Republikaner fällt. Und deshalb setzt das Weiße Haus Ereignisse wie einen Machtwechsel auf Kuba sofort in Wahlstatistiken um. Besonders unter dem Aspekt, dass bei einer demokratischen Revolution ein großer Teil der Exilkubaner wieder nach Kuba zurückkehren könnte.

Exilkubaner in Miami versammelten sich spontan auf den Straßen und schwenkten kubanische Flaggen. Sie verliehen ihrer Hoffnung Ausdruck, dass die Ära Castro nun bald vorbei sein könnte, was ihnen die Chance auf eine Rückkehr böte. Hupende Autos fuhren umher, deren Insassen lautstark "Kuba! Kuba! Kuba!" riefen. Im südlichen Florida leben Zehntausende Kubaner, die als Gegner des kommunistischen Systems in ihrem Heimatland in die USA geflohen sind.

In der Altstadt von Havanna reagierten viele Menschen indessen tief betroffen auf die Nachricht über die Erkrankung Castros. Sie fassten sich aber auch schnell wieder. "Er wird sich erholen, kein Zweifel", sagte Agustin Lopez, Kellner eines beliebten Touristen-Cafés. "Es gibt hier wirklich gute Ärzte, und er ist extrem stark."

Die USA reagierten mit Zurückhaltung. "Wir beobachten die Lage und arbeiten an der Befreiung Kubas", sagte Präsidialamtssprecher Peter Watkins der Nachrichtenagentur Reuters. Ein Regierungsvertreter nannte die zurückhaltend formulierte Erklärung über Castros Gesundheitszustand bemerkenswert. Die kubanische Führung versuche anscheinend, Spekulationen über ihre Zukunft zu vermeiden.

In Florida leben rund 400 000 kubanischstämmige Wähler, von denen zwischen 53 und 64 Prozent republikanisch wählen - je nach Altersgruppe. 2004 lagen die Demokraten dort mit 381 000 Stimmen zurück. Florida verfügt im Wahlmännergremium, das den Präsidenten wählt, über 27 Sitze. Um den Verlust wettzumachen, müssten die Republikaner bis zu drei andere Bundesstaaten gewinnen. Noch klarer erkennbar wird die Rolle der Exilkubaner bei der Stimmenzahl für den republikanischen Senator Mel Martinez, den ersten Exilkubaner im Kongress. Seine demokratische Mitbewerberin lag 2004 nur um 82 000 von etwas mehr als sieben Millionen abgegebenen Stimmen zurück. Martinez steht zwar im November nicht zur Wahl, aber die Warnung ist trotzdem deutlich. Nachdem die Republikaner durch die harte Haltung ihres rechten Flügels bei der Einwanderungsfrage unter Latinos an Sympathie verlieren, wird die Rolle der Exilkubaner bei Wahlen nur noch bedeutsamer.

Miamis Bürgermeister Manny Diaz bezeichnet die Entscheidung von Fidel Castro, in der dieser die Macht zeitweilig seinem jüngeren Bruder Raul überträgt, als"ungewöhnlich" und Zeichen der jähen Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Maximo Lider.

Die kubanische Emigrantengemeinde in den USA werde die Entwicklung auf Kuba aufmerksam verfolgen.

"Wir werden an dem Tag sehr, sehr glücklich sein, an dem er stirbt", ließ Miamis Bürgermeister wissen.

Das US-Außenministerium enthält sich im Zusammenhang mit der vorübergehenden Machtübergabe an den jüngeren Castro-Bruder bisher eines Kommentars. Die Amtssprecherin des amerikanischen Küstenschutzes, Dana Warr, sagte dem Fernsehsender CBS, dass der Stab des Dienstes von Castros Beschluss unterrichtet worden sei. Doch weder Flugzeuge noch Küstenschutzboote oder das Personal seien wegen eines möglichen Anstiegs des Flüchtlingsstroms in erhöhte Einsatzbereitschaft versetzt worden.

Castro hat seine Amtsvollmachten als Staatschef, Oberkommandierender der kubanischen Streitkräfte und KP-Chef an seinen jüngeren Bruder Raul übergeben, weil er am Darm operiert werden müsse, so zumindest hat die Fernsehstation CNN berichtet.

Fidel selbst hatte die Entscheidung, die für den Zeitraum seiner Operation und der anschließenden Heilbehandlung gilt, damit begründet, dass Kuba "von der Regierung der USA" bedroht wird.



Chávez macht sich Sorgen um Verbündeten

Der venezolanische Präsident Hugo Chávez äußerte sich besorgt über den Gesundheitszustand seines engen Verbündeten. "Ich wünsche von Herzen, dass Fidel Castro schnell wieder gesund wird und immer bei uns bleibt", sagte Chávez in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi und fügte hinzu: "Lang lebe Fidel Castro."

Fidel Castro ist seit gut 47 Jahren kubanischer Staats- und Parteichef - seit dem Sieg der kubanischen Revolution über den Diktator Fulgencio Batista am 1. Januar 1959. Die USA waren damals der erste Staat, der seine Regierung anerkannte. Die sozialen Errungenschaften wie der Bau neuer Schulen und die Verbesserung des Gesundheitssystems trugen Castro vorerst viel Bewunderung ein. Doch sein wirtschaftspolitischer Kurs und die Ausschaltung kritischer Stimmen brachten ihn alsbald in dauerhaften Konflikt mit der Regierung in Washington.

In den vergangenen fünf Jahren häuften sich die Zwischenfälle, die auf eine schwächere Gesundheit Castros hindeuten. Am 23. Juni 2001 verlor er bei einer Rede in sengender Hitze kurz das Bewusstsein. Am 20. Oktober 2004 brach er sich die Kniescheibe und den Arm, als er bei einer Rede stürzte. Danach kamen Gerüchte auf, er sei an der Schüttellähmung Parkinson erkrankt.

Dazu sagte er selbst im vergangenen November: "Sie haben so oft versucht, mich umzubringen." Er fühle sich besser denn je, werde sich aber nicht an die Macht klammern. Wenn er sich gesundheitlich außer Stande sehe, das Land zu führen, werde er die Partei bitten einen Nachfolger zu benennen. Zuletzt wurde Castro am vergangenen Mittwoch in der Öffentlichkeit gesehen, als er den 53. Jahrestag des Kasernensturms beging, mit dem seine revolutionäre Bewegung eingeleitet wurde.

(aus "DIE WELT", finanztreff.de und andere, 01.08.2006)
31.07.2006

Viva la revolución!



Kuba übergibt die Macht an seinen Bruder Raúl

Die offizielle Bekanntmachung Fidel Castros an das Volk von Kuba:

Aufgrund der enormen Anstrengung beim Besuch in Córdoba/Argentinien, der Teilnahme am Treffen der Mercosur-Staaten, an der Abschlußveranstaltung des Gipfels der Völker in der historischen Universität von Córdoba sowie beim Besuch in Altagracia, der Stadt, wo Che in seiner Kindheit lebte, und unmittelbar anschließend bei den Feierlichkeiten anläßlich des 53.Jahrestages des Angriffs auf die Kasernen Moncada und Carlos Manuel de Céspedes am 26. Juli 1953 in den Provinzen Granma und Holguín, haben die Tage und Nächte ständiger Arbeit fast ohne Schlaf dazu geführt, daß meine Gesundheit, die bisher allen Belastungen standhielt, einem extremen Streß ausgesetzt wurde und ein Zustand der Entkräftung eingetreten ist.

Dies hat bei mir eine akute Magen-Darm-Krise mit inneren Blutungen hervorgerufen, die mich zwang, mich einer komplizierten chirurgischen Operation zu unterziehen. Die Einzelheiten dieser Beeinträchtigung meiner Gesundheit sind in Röntgenaufnahmen, Endoskopien und Filmmaterial festgehalten. Die Operation nötigt mich zu einer mehrwöchigen Ruhe, entlastet von meiner Verantwortung und meinen Ämtern.

Derweil unser Land sich einer Bedrohung seitens der Regierung der Vereinigten Staaten gegenüber sieht, habe ich folgende Entscheidung getroffen:

1) Ich delegiere vorübergehend meine Funktionen als Erster Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kubas an den Zweiten Sekretär, Genossen Raúl Castro Ruz.

2) Ich delegiere vorübergehend meine Funktionen als Oberbefehlshaber der heroischen Revolutionären Streitkräfte an den genannten Genossen, Armeegeneral Raúl Castro Ruz.

3) Ich delegiere vorübergehend meine Funktionen als Präsident des Staatsrates und der Regierung der Republik Cuba an den Ersten Vizepräsidenten, Genossen Raúl Castro Ruz.

4) Ich delegiere vorübergehend meine Funktionen als Hauptmentor des Nationalen und Internationalen Programms für Öffentliche Gesundheit an das Mitglied des Politbüros und Minister für Öffentliche Gesundheit, Genossen José Ramón Balaguer Cabrera.

5) Ich delegiere vorübergehend meine Funktionen als Hauptmentor des Nationalen und Internationalen Programms für Erziehung an die Genossen José Ramón Machado Ventura und Esteban Lazo Hernández, Mitglieder des Politibüros.

6) Ich delegiere vorübergehend meine Funktionen als Hauptmentor des Nationalen Programms für Energierevolution in Kuba und die Zusammenarbeit mit anderen Ländern auf diesem Gebiet an Genossen Carlos Lage Dávila, Mitglied des Politbüros und Sekretär des Exekutivkomitees des Ministerrates.

Die für diese Programme für Gesundheit, Erziehung und Energie bestimmten Finanzmittel sollen weiterhin so verwaltet und mit Vorrang behandelt werden, wie ich dies bisher persönlich getan habe, und zwar durch die Genossen Carlos Lage Dávila, Sekretär des Exekutivkomitees des Ministerrats, Francisco Soberón Valdés, Minister und Präsident der Zentralbank von Cuba, und Felipe Pérez Roque, Minister für Auswärtige Angelegenheiten, die mit mir bisher bei diesen Aufgaben zusammengearbeitet haben und die zu diesem Zweck eine Kommission bilden sollen.

Unserer ruhmreichen Kommunistischen Partei obliegt es, sich, unterstützt von den Massenorganisationen und dem gesamten Volk, der in dieser Bekanntmachung übertragenen Aufgabe anzunehmen.

Die Gipfelkonferenz der Bewegung der Nichtpaktgebundenen Länder, die vom 11. bis 16. September durchzuführen ist, muß seitens des Staates und der kubanischen Nation die größte Aufmerksamkeit erfahren, um sie zum vereinbarten Termin mit größtmöglicher Ausstrahlung durchzuführen.

Die Feier meines 80. Geburtstags, den am kommenden 13. August zu begehen sich Tausende von Persönlichkeiten freundlicherweise verständigt hatten, bitte ich auf den 2. Dezember diesen Jahres, den 50. Jahrestag der Landung der »Granma«, zu verschieben.

Ich bitte das Zentralkomitee der Partei und die Nationalversammlung der Volksmacht um die nachdrücklichste Unterstützung dieser Bekanntmachung.

Ich hege nicht den geringsten Zweifel, daß unser Volk und unsere Revolution bis zum letzten Blutstropfen kämpfen werden, um diese und andere Ideen und Maßnahmen zu verteidigen, die erforderlich sind, um diesen historischen Prozeß erfolgreich fortzusetzen.

Der Imperialismus wird Kuba niemals niederwerfen.

Der Kampf der Ideen schreitet fort.

Es lebe das Heimatland!

Es lebe die Revolution!

Es lebe der Sozialismus!

Weiter bis zum Sieg!

Fidel Castro Ruz

Oberbefehlshaber

Erster Sekretär der Partei Präsident des Staatsrates und des Ministerrates der Republik Kuba


31. Juli 2006


Viva la revolución!
Übersetzung aus dem Spanischen: Klaus von Raussendorff

Spannend waren für die Kubaner die letzten Monate vor dem 80. Geburtstag Castros. Denn erstmals wurde nun auch auf der sozialistischen Tropeninsel die Frage um das Erbe und die Nachfolge des greisen Revolutionsführers von staatlicher Seite aufgegriffen. Schneller als gedacht könnte nun Castros Darmoperation die Szenarien vom Übergang Wahrheit werden lassen.

Zunächst einmal verlief alles wie geplant: Die Amtsgeschäfte übernahm formal Fidels fünf Jahre jüngerer Bruder Raúl. Ihm zur Seite stellte Fidel linientreue Technokraten wie Vizepräsident Carlos Lage, der zusammen mit Zentralbankpräsident Francisco Soberón und Außenminister Felipe Pérez Roque die Finanzen kontrollieren wird. Die Schlüsselsektoren Gesundheit und Bildung werden von José Ramón Balaguer, Ramón Machado Ventura und Esteban Lazo betreut.

Für die Übergangsphase auf Kuba zeichnet sich damit eine Art Kollegiallösung ab. Sollte es ernst werden, dürfte aber auch dieses Kollegium nur ein Provisorium sein. Die Geschichte habe gezeigt, dass Diktaturen nach dem Tod eines großen Führers in eine Krise geraten, sagte der Analyst Andres Oppenheimer, der davon ausgeht, dass diese Gruppe ein paar Jahre regieren und einen Wechsel einleiten wird. Das sei schon durch das hohe Alter Raúls bedingt.

Nach Castros Tod dürften zudem die Differenzen zwischen den kommunistischen Hardlinern, die bisher das Sagen haben, und den Reformern, offen aufbrechen. Zudem bezeichnet sich die Mehrheit der Kubaner zwar als Fidelisten, nicht aber als Sozialisten, was neben der Dauer-Wirtschaftskrise das Überleben des Systems infrage stellen könnte.

Den Dissidenten droht aller Wahrscheinlichkeit nach ein ähnliches Schicksal wie den Schlüsselfiguren des DDR-Widerstands. Sie sind zu sehr isoliert und untereinander zerstritten. Es sind zwei benachbarte Staaten, von denen Kubas weiteres Schicksal mitbestimmt wird: die USA, die seit vier Jahrzehnten ein Handelsembargo gegen Kuba verhängt haben und wo mehr als eine Million castrofeindliche Exilkubaner leben, und Venezuela, dem wichtigsten Verbündeten in Lateinamerika. Chávez ist zweifelsohne Castros geistiger Ziehsohn.

Außerdem hängt die Insel am Tropf der verbilligten Erdöllieferungen aus Caracas. Daher wird Chávez in der Übergangsphase ein Wörtchen mitreden wollen - die Frage ist, inwieweit die neue kubanische Führung willens ist, das zu akzeptieren.

Die USA haben zahlreiche Pläne für den Tod Castros ausgearbeitet, sogar über eine Invasion wurde spekuliert. Dem jüngsten Vorschlag zufolge soll die Bevölkerung massiv durch humanitäre Hilfe unterstützt und auf demokratische Wahlen und Marktwirtschaft gedrängt werden. Doch selbst den Dissidenten sind die US-Pläne zu unilateral. Um eine Zusammenarbeit werden beide Seiten wohl nicht herumkommen. Die USA wollen weder Flüchtlingswellen noch einen Unruheherd.

Und die Kubaner fürchten, dass sie von Brüdern aus dem Exil überrollt werden, die mit ihren Dollars alles aufkaufen und ihren einstigen Besitz zurückfordern - diese Furcht könnte eine Stütze für die kommunistische Kollegialregierung sein.

(Sandra Weiss, DER STANDARD, Print, 2.8.2006)

Raul Castro - Kubas Zukunft?

Raul Castro gilt als weniger charismatisch, dafür aber erheblich radikaler als sein älterer Bruder Fidel. Als zweiter Mann Kubas steht er schon lange in den Startlöchern.

Bereits in jungen Jahren engagierte sich auch Raul Castro im Kampf gegen den kubanischen Diktator Batista. Er beteiligte sich am 26. Juli 1953 zusammen mit seinem Bruder am Überfall auf die Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba. Dieser wurde von den Truppen des Regimes niedergeschlagen. Raul Castro wurde zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt, kam aber bereits nach zwei Jahren im Zuge einer Generalamnestie im Mai 1955 frei und ging ins mexikanische Exil. Anderthalb Jahre später kehrte er mit seinem Bruder und 81 weiteren Mitstreitern nach Kuba zurück, um erneut den Kampf gegen Batista aufzunehmen. Einige Monate nach dem Sieg der Rebellentruppen am Neujahrstag 1959 wurde Raul Castro zum Verteidigungsminister Kubas ernannt - ein Amt, das er seitdem innehat. Zuvor hatte Fidel ihn bereits zu einem seiner Nachfolger als Ministerpräsident bestimmt und verkündet: "Hinter mir sind andere, die radikaler sind als ich."

Radikaler als der Bruder

Im Gegensatz zu seinem Bruder galt Raul Castro bereits früh als bekennender Sozialist. Bereits während seines kurzen Studiums der Sozialwissenschaften an der Universität von Havanna schloss er sich der Moskau orientierten "Juventud Socialista" an. Während Fidel Castro zunächst gemäßigt blieb und ein Art Bindeglied zwischen der Revolution und den bürgerlich-liberalen Bewegungen darstellte, forcierte Raul schon früh zusammen mit Ernesto "Che" Guevara die Hinwendung Kubas zum sozialistischen Lager. So nahm er 1960 eine Ostblock-Reise zum Anlass, die Sowjetunion und China als die wahren Freunde Kubas zu bezeichnen. Nach der gescheiterten Invasion in der "Schweinebucht" durch US-gestützte Exilkubaner kam es 1961 zu einer deutlichen Anlehnung Kubas an die Sowjetunion. Durch ein von Raul Castro vereinbartes Militärabkommen kam es ein Jahr später zur Stationierung sowjetischer Raketen auf Kuba, was schließlich in der Kubakrise mündete und das Verhältnis zu den USA endgültig verschärfte. Als Chef der Streitkräfte war Raul Castro außerdem tief in das kubanische militärische Engagement in den 1970er-Jahren in Angola und Äthiopien verwickelt. Zudem sorgte er in Kuba mit Sondereinsätzen und wirtschaftlichen Initiativen des Militärs dafür, den Zusammenbruch der Wirtschaft nach Auflösung der Sowjetunion 1991 zu verhindern.

"Jünger und energischer"

Raul Castro entwickelte sich vom Mitarbeiter mehr und mehr zur rechten Hand seines Bruders und wurde 1972 auch formell zum 1. Stellvertreter des Ministerpräsidenten ernannt. Seit 1960 war er bereits einer der Vize-Ministerpräsidenten des Landes. Auch innerhalb der kommunistischen Partei Kubas rückte Raul Castro als 2. Sekretär des Zentralkomitees an die zweite Position nach seinem Bruder. Obwohl Fidel mehrere Personalwechsel vollzog, blieb Rauls machtpolitische Position stets unumstritten. Berichte über schwerwiegende Differenzen zwischen den Brüdern erwiesen sich als haltlos. Im Oktober 1997 bestätigte Fidel Castro seinen Bruder erneut als seinen Nachfolger und erklärte: "Raul ist jünger, energischer als ich. Er kann auf mehr Zeit zählen."

Auch Rauls biologische Uhr tickt

Die Verfassung will, dass Raul Castro als erster Vizepräsident des Staatsrats der Stellvertreter des Staatchefs im Falle von "Abwesenheit, Krankheit oder Tod" ist. Ob er es im Falle des Ablebens seines Bruders lange bleiben wird, ist umstritten. Denn während Fidel nach wie vor in breiten Bevölkerungsteilen als charismatischer Revolutionär große Beliebtheit genießt, gilt Raul Castro eher als blasser Funktionär. Wie es unter seiner Führung weiter gehen wird, ist nicht klar. Vor drei Jahren gab er in Richtung Washington die kryptische Empfehlung aus, man sollte versuchen, das Verhältnis zu Kuba zu entspannen, solange "mein Bruder an der Macht ist". Partei-intern sind die wichtigsten Konkurrenten ausgestochen. Doch wie auch sein Bruder hat der 75-jährige Raul Castro ein Problem: das hohe Alter.
24.07.2006





Kuba und Mercosur unterzeichnen Handelsvereinbarung

Kuba und das Wirtschaftsbündnis Mercosur haben am Freitag während des 30. Mercosur-Gipfels Vereinbarungen mit Kuba unterzeichnet. Dadurch sollen unter anderem die Zölle verringert werden, damit der Handel zwischen Kuba und der Ländern des Mercosur verstärkt wird. Teilnehmer des Gipfels waren unter anderem die Präsidenten von Brasilien, Argentinien, Venezuela, Paraguay und Uruguay. Evo Moralez, der Präsident Boliviens und Michelle Bachelet, die Präsidentin Chiles waren Teilnehmer des Gipfels, Fidel Castro war als Sondergast geladen worden
10.07.2006





USA wollen Castros Abgang beschleunigen

Die US-Regierung will Kubas Staatschef Fidel Castro schneller zum Rücktritt bringen. US-Präsident George W. Bush sagte am Montag 80 Millionen Dollar für die Demokratieförderung in Kuba zu. Das berichtete die britische BBC. Zudem wollen die USA ihre Sanktionen gegen Kuba strikter durchsetzen und "unzensierte Informationen" an die Bevölkerung weitergeben.

Mit einem Fonds zur Demokratieförderung kommt Bush den Plänen der vor drei Jahren eingesetzten US-Kommission zur Unterstützung eines freien Kubas nach. "Wir arbeiten aktiv an einer Veränderung in Kuba und warten nicht einfach ab", sagte Bush in Washington. "Ich appelliere an unsere demokratischen Freunde und Verbündeten in aller Welt, sich mit uns zusammen für Freiheit für das kubanische Volk einzusetzen."

Die US-Sanktionen gegen Kuba begannen nach dem Amtsantritt von Castro 1959. Washington protestierte damit gegen die Annäherung Havannas an den damaligen Erzfeind Sowjetunion. Sie wurden über die Jahre mehrfach verschärft. Das Embargo umfasst weit reichende Handels- und Reiseeinschränkungen.
13.06.2006





Kuba stellt US-Vertretung Strom ab

Neuer Streit zwischen den USA und Kuba: Die Amerikaner werfen der Regierung in Havanna vor, ihrer Interessenvertretung in der Hauptstadt den Strom abgestellt zu haben. Havanna/Washington - Seit gestern Morgen habe das Hauptgebäude der amerikanischen Vertretung als einziges Haus in der Straße keinen Strom mehr, berichtete der Sprecher des US-Außenministeriums, Sean McCormack, in Washington mit. Alle Appelle an die kubanische Regierung seien vergebens gewesen, das Gebäude werde nun durch einen Stromgenerator versorgt. Ein Sprecher der Vertretung in Havanna sagte, neben dem Strom kappten die kubanischen Behörden auch immer wieder die Wasserzufuhr. Er meinte, mit ihren Schikanen reagierten sie auf Versuche der Vertretung, die Bevölkerung über heikle Themen wie unter anderem die Menschenrechtslage zu informieren. Washington und Havanna unterhalten keine diplomatischen Beziehungen mehr. Die diplomatischen Interessen der USA werden von der Schweiz wahrgenommen. Seit Mitte Januar haben sich Spannungen zwischen den beiden Staaten weiter verschärft. Damals hatte die US-Interessenvertretung eine große Leuchtwand an ihrer Fassade angebracht, die nun die Einwohner Havannas regelmäßig mit Informationen und Erklärungen zu Menschenrechtsthemen versorgt. In dem Versuch, den Blick auf die Wand zu versperren, stellten die Behörden 138 Masten mit schwarzen Fahnen davor auf.
18.02.2006





Chavez will USA den Öl-Hahn abdrehen

Venezuelas Präsident stichelt wieder gegen die USA: Chavez droht jetzt der Bush-Regierung, die Öllieferungen einzustellen, sollten die Vereinigten Staaten in ihrem Widerstand gegen das südamerikanische Land "zu weit" gehen.

"Die US-Regierung sollte wissen, dass sie kein venezolanisches Öl haben wird, wenn sie zu weit geht", sagte Hugo Chavez gestern. Er reagierte offenbar auf Äußerungen von US-Außenministerin Condoleezza Rice. Diese hatte am Vortag gesagt, die Regierung in Washington wolle Chavez' Einfluss in Südamerika einschränken, indem sie den Widerstand gegen ihn schüre. Venezuela stelle in der Region eines der größten Probleme dar, die engen Verbindungen des Landes zu Kuba seien für die Demokratie in Lateinamerika gefährlich, hatte Rice gesagt.

Venezuelas Öl macht gut 15 Prozent der Energie-Importe der USA aus. Chavez betonte, er habe bereits angefangen, Maßnahmen für einen Ölstopp zu ergreifen. "Ich werde nicht sagen, welche das sind." Der linksgerichtete Staatschef hat sich in der Vergangenheit bereits ähnlich geäußert. Experten sind allerdings skeptisch, ob sich das Land einen Stopp der Lieferungen an die USA erlauben kann, da die Erlöse zur Finanzierung innenpolitischer Projekte benötigt werden. Venezuela ist der fünftgrößte Öl-Exporteur der Welt, die Hälfte der Erdöl-Ausfuhren geht in die USA.

Die Beziehungen beider Länder sind seit Monaten angespannt. Erst kürzlich hatte Venezuela einen US-Diplomaten wegen des Vorwurfs der Spionage ausgewiesen, woraufhin die USA einen Vertreter des südamerikanischen Landes nach Hause schickten.
05.-09.01.2006





ARD-Doku zum Kennedy-Mord behauptet, dass Kennedy auf Initiative Kubas ermordet wurde

In einem ARD-Film wird behauptet, der Mord am US-Präsidenten John F. Kennedy sei endgültig aufgeklärt. Drahtzieher des Attentats seien der kubanische, mexikanische und russische Geheimdienst gewesen. Zahlreiche Zeugen aus dem kubanischen Geheimdienst G2 kommen zu Wort. Doch hält der Film, was seine Autoren versprechen?

Am 22. November 1963 ermordete der Amerikaner Lee Harvey Oswald US-Präsident John F. Kennedy. Der Bremer Filmemacher Wilfried Huismann hat in einer Fernsehdokumentation hierzu die These untermauert, dies geschah auf Anlass des kubanischen Geheimdienstes und Fidel Castros höchstpersönlich. Ein Vertreter des CIA gesteht in der Dokumentation acht erfolglose Mordversuche an Castro, diese wurden voom kubanischen Geheimdienst jedoch aufgedeckt und vereitelt. Als Gegenmassnahme wurde die Ermordung Kennedys geplant. Hierzu war Lee Harveey Oswald ein williges Werkzeug. Koordiniert wurde die Operation von der kubanischen Botschaft in Mexiko.
Huismann zufolge erhält der damals 24-jährige Oswald, ein glühender Anhänger des Revolutionsführers Fidel Castro, dort den Auftrag, Kennedy zu töten. Huismanns Deutung zufolge hat Castro sozusagen aus Gründen der Selbstverteidigung gehandelt.

Die von Huismann gesammeltem Indizien wirken überwältigend: Mitschnitte von abgehörten Telefonaten der kubanischen Botschaft in Mexico City, Unterlagen des sowjetischen Geheimdienstes KGB, Aussagen zahlreicher kubanischer Geheimdienstoffiziere. Bei genauerem Hinsehen erweisen sich die Glieder der Beweiskette als hinterfragbar.

So beruht denn auf Hörensagen, dass der junge Oswald bereits 1962 vom kubanischen Geheimdienst kontaktiert worden sei. Huismann beruft sich auf Autulio Ramirez Ortiz. Der Exil-Kubaner hat schon vor Jahren ausgesagt, einst für den kubanischen Geheimdienst gearbeitet zu haben. Dort sei ihm eine Akte mit dem Titel "Osvaldo-Kennedy" in die Hände gefallen; eine Empfehlung des KGB an die kubanischen Genossen, sich Oswalds anzunehmen, habe sich darin befunden.

Nun war Oswald für die Sowjets kein Unbekannter. Er war 1959 aus Enthusiamus für den Kommunismus in die Sowjetunion übergesiedelt, hatte das Land aber nach 31 Monaten enttäuscht wieder verlassen. CIA und FBI hielten dennoch die Aussagen von Ramirez für unglaubwürdig. Huismann hingegen lässt inkognito einen Mann auftreten, von dem es heißt, er sei Mitarbeiter des russischen Geheimdienstes FSB, und der aus einem angeblichen KGB-Telegramm vom 18. Juli 1962 vorliest, dass Ramirez' Version bestätigt. Das kann man glauben oder auch nicht.

Fidel Castro will kein Kennedy-Mörder sein - Kuba sieht ARD-Doku als "Hamburger Verschwörung"

Vier Tage dauerte es - dann hatte Kuba eine Antwort auf die These entwickelt, John F. Kennedy sei im Auftrage Fidel Castros ermordet worden. "Eine Hamburger Verschwörung" sieht die kommunistische Parteizeitung "Granma" zu Gange. Offenbar ohne den umstrittenen ARD-Film, der am Freitag ausgestrahlt wurde, gesehen zu haben, widmet sich "Granma"-Chefredakteur Gabriel Molina dem Thema. "Ein Journalist aus Washington, sehr verbunden mit dem FBI", habe ihm bereits damals "vertraulich enthüllt", daß die Version, Lee Harvey Oswald habe auf Rechnung der kubanischen Regierung gehandelt, direkt von der CIA stammt, schreibt Molina, einer der Chefideologen der Castro-Diktatur.

Eine Kommission unter Louis F. Stokes habe, so Castros offizielle Parteizeitung, eine ganz andere Spur gefunden. Demnach hätten führende Mitglieder der Mafia von New Orleans, Texas und Florida "Motive, Mittel und Gelegenheiten gehabt, Präsident Kennedy zu töten". Schließlich sei Santos Trafficante, Mafiaboß in Florida, "eines der Hauptziele der Regierung Kennedy im Kampf gegen das organisierte Verbrechen" gewesen, schreibt Molina und gibt damit korrekt den Stand eines Randaspekts der an Verzweigungen und Verschwörungstheorien nicht armen "Wer-erschoß-JFK"-Forschung wieder. Aber "Granma" wäre nicht die Zeitung der kommunistischen Partei Kubas, würde sie nicht den Dreh schaffen, die Exilkubaner in das Mordkomplott hineinzuziehen. Diese hätten im Mafiamilieu kooperiert.

Vieles verschwimmt in jener Zeit der Agenten und Doppelagenten, der Exilkubaner und Castristen. Hat Oswald wirklich Mitglieder der Konterrevolution in Dallas kontaktiert? Ist er mit Kämpfern der anticastristischen "Alpha 66" im Auto gefahren? Und warum schauen auf jenem Foto, das den Pistolenschuß auf Oswald, wenige Tage nach dem Attentat auf Kennedy, zeigt, zwei Beamte so angestrengt in die falsche Richtung - weg vom Attentäter und Nachtclubbesitzer Jack Ruby, von dem die kubanische Regierung weiß, daß er in den 50ern in dunkle Geschäfte auf der Insel verwickelt war?

In dem umfangreichen "Granma"-Beitrag wird auch jener kubanische Geheimdienst-General Fabián Escalante zitiert, der ARD-Autor Huismann Rede und Antwort stand. Escalante ist die Speerspitze der kubanischen Forschung in dieser Frage. Seine These: "Die CIA, die Mafia und konterrevolutionäre Kubaner planten die Tat und führten sie aus." Demnach waren zwei kubanisch-stämmige Scharfschützen, Eladio del Valle und Herminio Diáz, an dem Anschlag beteiligt und flohen mit einem Pick-up vom Typ Nash Rambler. Von seiten der CIA seien David Atlee-Philipps und Richard Helms, damals Chef der Operationen gegen Kuba, verantwortlich gewesen.

Auffallend ist, daß "Granma" mit keiner Silbe auf die von ARD-Autor Huismann präsentierten Zeugen eingeht. Weder wird der angebliche Doppelagent Cubela thematisiert, noch der Kronzeuge Oscar Marino, angeblich ehemaliger Offizier des kubanischen G-2. Kein Wort über Hintergründe, keine einzige Aussage, ob diese Leute irgend etwas mit Castro zu tun hatten, ob sie lügen oder vorgeben, etwas zu sein, was sie nicht sind.

"Heute ist das dunkle Geheimnis transparent für alle, die sehen wollen", heißt es vielmehr blumig in dem offiziösen Text aus Havanna. Die wichtigsten Darsteller des Mordes, hätten "eine furchtbare Herkunft von der Regierung der USA". Und massiv wird die ARD angegriffen: "Der deutsche Wilfried Huismann ist nicht mehr als ein weiterer Handlanger in diesem Schachspiel." Mit der "Hamburger Verschwörung" werde versucht, die Aufmerksamkeit der Medien abzulenken vom Fall Luis Posada Carilles. Dieser Anti-Castro-Kämpfer wird von Castro zahlloser Anschläge beschuldigt und beantragte 2005 politisches Asyl in den USA. Wenn dieser alles sage, was er weiß, "dann werden Watergate und Nixon wie das unbedeutende Vorspiel einer Perversion übrig bleiben, die sich derzeit noch verbirgt."
05.01.2006



Neuer bolivianischer Präsident Evo Morales, Venezuelas Hugo Chávez und Kubas Fidel Castro bilden anti-imperialistische Allianz

Nach seiner Antrittsreise zum kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro hat der künftige bolivianische Präsident Evo Morales seinen venezolanischen Kollegen Hugo Chávez besucht. Die beiden US-kritischen und linksgerichteten Präsidenten vereinbarten am Dienstag bei ihren Gesprächen in Caracas unter anderem eine engere Zusammenarbeit auf dem Energiesektor. So will Venezuela der bolivianischen Regierung bei der Ausbildung von Energieexperten helfen. Morales hat angekündigt, die Kontrolle des Staates über die reichen Erdgasreserven seines Landes zu stärken.

"Dies sind neue Zeiten, wir sind in einer neuen Ära", sagte Morales bei dem Besuch. "Es ist ein neues Jahrtausend für die Menschen und Bolivien gesellt sich zum anti-neoliberalen und anit-imperialistischen Kampf." Der ehemalige Kokabauer Morales war am 18. September zum Präsidenten gewählt worden. Sein Wahlkampf war von USA-kritischen Tönen bestimmt gewesen.

Damit befindet er sich auf einer Linie mit Chávez, der seit langem eine stark gegen die USA gerichtete populistische Politik fährt. Seine erste Reise nach dem Wahlsieg hatte Morales in der vergangenen Woche zu Fidel Castro nach Kuba geführt. Dabei hatte Morales Castro wiederholt als Vorbild gewürdigt. br>
In Havanna hatten sich Castro und Morales als enge Verbündete präsentiert; bereits zuvor hatten die bolivianische "Bewegung zum Sozialismus" und Kuba enge Beziehungen, hatte Morales den Karibikstaat zudem als Vorbild im antiimperialistischen Kampf betont. Künftig sollen 5000 Bolivianer als Stipendiaten nach Kuba kommen - Teil der geplanten Alphabetisierungskampagne des südamerikanischen Staates. br>
In Caracas sagte Venezuelas Präsident Hugo Chavez Bolivien die Lieferung von 150.000 Barrel im Monat zu. Verrechnet werden soll dies mit landwirtschaftlichen Produkten. Beide Staaten, so Chavez, wollten auf diese Weise ihre Kooperation und Integration vorantreiben. Weitere 30 Millionen Dollar sollen zur Vereidigung nach La Paz überwiesen werden. "Es ist ein neues Jahrtausend für die Menschen und Bolivien gesellt sich zum anti-neoliberalen und anit-imperialistischen Kampf", so Morales auf einer Pressekonferenz in der venezuelanischen Hauptstadt. Venezuela stehe nun vor einer zweiten sozialen Befreiung. br>
Bereits Ende vergangenen Jahres hatte Morales für Aufsehen gesorgt, als er die Kürzung der Bezüge vom Präsidenten bis zu den Abgeordneten ankündigte. Noch im Januar soll die Neuregelung beschlossen werden. Die so eingesparten Gelder will der neue Staatschef in die Bildung und mehr medizinisches Personal stecken. Damit werde der Ruf des Volkes erhöht, so Morales. Zugleich forderte er die USA erneut auf, ihre Null-Drogen-Politik aufzugeben. Der Koka-Anbau, der von der indianischen Urbevölkerung als Heil- und Nahrungsmittel verwendet wird, gleichzeitig jedoch auch für die Herstellung von Kokain genutzt werden kann, ist nicht zuletzt in Bolivien eine der Haupterwerbsquellen der Urbevölkerung. Bereits im Wahlkampf hatte Morales betont, zwar Nein zum Kokain, jedoch nicht zur Kokapflanze zu sagen. br>
In den kommenden Tagen will Morales neben dem benachbarten Brasilien noch nach Spanien, Frankreich, Belgien, Südafrika, China. In die USA, so sein Büro, wurde er hingegen nicht eingeladen, fürchtet man dort doch die entstehende Allianz zwischen Bolivien, Venezuela und Kuba. Sie wäre nicht nur eine Provokation aus dem traditionellen Hinterhof der Vereinigten Staaten. Morales hatte auch angekündigt, die umfangreichen Erdgasreserven des Landes unter die Kontrolle des Staates bringen zu wollen. Immerhin die zweitgrößten in Lateinamerika, wobei 90 Prozent in den Export gehen.

   

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