Santeria


als Dienstleistung für Touristen

Santeria-Religion reizt Kuba-Touristen


Santeria scheint im Trend zu liegen. Sieben von zehn Einwohnern Kubas konsultieren regelmäßig die Voodoo-Priester und immer mehr Touristen interessieren sich für die (angeblich) magischen Kräfte des Kults:

Ein komplettes Initiationsritual, die Einführung in die Santeria-Gemeinschaft, kostet über 1000 Dollar, und so nimmt es nicht wunder, dass sich diese überaus unsozialistische Praxis mehr und mehr etabliert:

Als sich Kuba in den 1990er-Jahren dem Massentourismus öffnete, erhielten manche sogar Lizenzen von den Behörden. Viele Reiseführer geben Tipps für die Suche nach dem Seelenheil und für die Bezahlung.

Rogelio Castellano, ein Santero, schüttelt Glasperlen, singt beschwörend - ein paar Minuten später stellt er eine teure Diagnose: Die Seele seiner Kundin, einer Touristin, leide an einem alten Konflikt. Da helfe nur, eine Ziege zu opfern - und das koste 500 Dollar. Am besten sofort, hier, in Kuba. Viele Urlauber scheinen solche Dienste des Priesters der afroamerikanischen
Santeria-Religion in Anspruch zu nehmen. Jedenfalls findet sich in Castellanos Wohnung neben Tierschädeln, Taubenblut, geschmolzenem Kerzenwachs und Federn ein Telefon, das sich nur wenige Kubaner leisten können. Castellano trägt eine Goldkette, auch in seinem Lächeln funkelt das Edelmetall. "Ich habe hier sieben oder acht Ausländer pro Woche: Deutsche, Mexikaner, Italiener, Amerikaner", sagt der Priester. Keine Frage: Der Tourismus auf der kommunistischen Karibik-Insel hat Santeria zu einem lukrativen Geschäft gemacht.

Verlangen Kubaner nach den angeblich magischen Kräften der Priester, müssen sie wenige Cent auf den Tisch legen. Ein devisengespickter Ausländer aber muss 20 Dollar für einen Termin und 50 Dollar für Glück bringende Amulette wie Plastikarmbänder zahlen. Ein komplettes Initiationsritual, die Einführung in die Santeria-Gemeinschaft, kostet über 1000 Dollar. Das ist viel mehr als das
Jahresgehalt in einem kubanischen Staatsbetrieb: Ein normaler Kubaner verdient in seinem offiziellen Job etwa 15 Dollar in der Woche.

"Es kann Schwindel sein, aber nicht bei mir. Zu mir kommen die Ausländer schon seit Jahren", verteidigt sich Castellano, während er einen mit Federn gekrönten Kopf aus Ton abstaubt, der böse Geister auf Distanz hält, wenn man Rum und Honig über ihn kippt und mit Zigarrenrauch anhaucht. Das sollten einem die zehn Dollar Kaufpreis schon wert sein, findet der Santeria-Priester. Der Kult ist aus der afrikanischen Yoruba-Religion entstanden, als die spanischen Kolonialherren massenhaft Sklaven für die Arbeit auf Zuckerplantagen ins Land holten. Um weiter unbehelligt ihren Kult zelebrieren zu können, vermischten sie ihre afrikanischen Götter mit katholischen Heiligen. Nachdem Fidel Castros Revolution 1959 den Katholizismus in den Hintergrund gedrängt hatte, suchten immer mehr Kubaner Rat bei den Santeria-Geistlichen. Heute konsultieren sieben von zehn Einwohnern der Insel die Priester.

Als sich Kuba in den 1990er Jahren dem Massentourismus öffnete, erhielten manche sogar Lizenzen von den Behörden. Viele Reiseführer geben Tipps für die Suche nach dem Seelenheil und für die Bezahlung. Doch über den Boom sind nicht alle glücklich. "Santeria ist keine Ware", sagt die Anthropologin Natalia Bolivar. Ausländer seien schon immer zu den Priestern gekommen. "Es gibt skrupellose Leute, die das ausnutzen. Aber wirklich religiöse Menschen würden das nie tun."

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