Die „Miami 5“ 


Kubanische Spione oder Helden?

Fünf Kubanische Agenten in US-amerikanischer Gefangenschaft

Es begann im Jahr 1959, dem Jahr der kubanischen Revolution. Kuba bekam nach dem Putsch am Neujahrstag eine neue Regierung unter der Führung Fidel Castros. Die größte Insel der Karibik erhielt eine sozialistische Staatsform. Ziel der Regierung war es, Kuba vom Hunger zu befreien, jedem Bürger medizinische Versorgung zu garantieren und gleiche Chancen auf Bildung für alle zu ermöglichen. Des Weiteren sollte die Gleichheit aller Kubaner gewährleistet und die Unabhängigkeit gegenüber den USA gesichert werden.

Die Vereinigten Staaten fühlten sich bedroht vom kleinen Inselstaat, der unter anderem US-Unternehmen verstaatlichte, um Kubas Wirtschaft zu sichern. Ein besonderer Dorn im Auge der amerikanischen Weltmacht war Kubas Freundschaft zum kommunistischen Feind Russland während des Kalten Kriegs. Die USA reagierten mit einem Wirtschaftsembargo, das bis heute nicht nur Bestand hat, sondern weiter verschärft wurde. Kaum eine Art von Bedrohung und Anschlägen blieb Kuba vom großen Nachbarn erspart.

Fidel Castros sozialistische Regierung ließ keinen Reichtum im Land zu. Viele Geschäftsleute aus Kuba trieb es in die USA. Ein berühmtes Beispiel bildet die Familie Bacardi, deren Rum weltweiten Bekanntheitsgrad genießt. Schnell bildeten sich konterrevolutionäre, kriminelle Vereinigungen, die es sich zum Ziel setzten Kuba gemeinsam mit der US-Regierung in die Knie zu zwingen. Die kubanisch-amerikanische Mafia verübte unzählige Terrorakte auf kubanischem Boden. Sie sorgte für Brandstiftungen. Unternehmen, Erholungseinrichtungen und Zuckerrohrfelder gingen so durch kriminelle Hände, US-regierungsnahe Hände in Flammen auf. Sie schleuste Schädlinge, Viren und Krankheiten ein. Es wurde auf touristische Anlagen geschossen. Revolutionsführer Fidel Castro wurde Opfer von etwa 600 Mordversuchen durch die Mafia und die amerikanische Regierung.

All das war der kubanischen Regierung Anlass genug eine Gruppe von fünf Kubanern (Gerardo Hernández, Ramón Labañino, René González, Antonio Guerrero und Fernando González) nach Miami zu schicken. Dort befindet sich der Kern der Exilkubanischen Mafia. In Miami nahmen sie verdeckt Kontakt zu Terror-Organisationen wie zum Beispiel der „Cubanisch-Amerikanischen-Nationalstiftung“ (FNCA), „Alpha66“ und „Brüder zur Rettung“ auf, um terroristische Aktivitäten gegen Kuba aufzudecken. Die gesammelten Informationen schickten die fünf Männer nach Havanna (Hauptstadt von Kuba), um die kubanische Regierung auf dem Laufenden zu halten.

Im Sommer 1998 übergab die kubanische Regierung das gesammelte Material dem FBI, um die amerikanische Regierung zum Handeln zu bewegen. Die Vereinigten Staaten reagierten überraschenderweise offensichtlich ungerecht. Anstatt der Mafia den Kampf anzusagen, nahmen sie die ermittelnden Kubaner fest, die von den Medien den Namen „Miami 5“ oder auch „Cuban 5“ bekamen. Erst nach drei Jahren Untersuchungshaft wurden sie angeklagt. Die Anklagepunkte reichten von „Verschwörung zur Spionage“ bis hin zur „Verschwörung zum Mord“. Die amerikanische Justiz verhängte sehr harte Strafen. Sie reichten von 15 Jahren bis hin zu 65 Jahren. Nach dem Verfahren wurden die Verurteilten in fünf weit über die USA verteilte Hochsicherheitsgefängnisse gesperrt. Die fünf Anti-Terror-Aktivisten durften in all den Jahren noch nicht einmal ihre Familien zu Besuch empfangen.

Im August 2007 wurde der Fall der fünf Kubaner bereits zum dritten Mal aufgerollt. Der Prozess wird von Beobachtern aus aller Welt begleitet werden. Aus Deutschland werden Rechtsanwalt Eberhardt Schultz aus Bremen sowie Bundestagsabgeordneter und Völkerrechtler Norman Paech (Die Linke) anwesend sein. Hauptargument für das erneute Berufungsverfahren ist laut Leonard Weinglass (Anwalt der „Miami 5“) das Fehlverhalten des Staatsanwaltes John Kastrenakes in der Hauptverhandlung 2001. Der Staatsanwalt warf den kubanischen Ermittlern vor, die USA zerstören zu wollen. Leonard Weinglass empfindet den Vorwurf als absurd und sieht darin lediglich die politische Motivation des Anklägers. Bis heute konnte die US-Anklage keinen Beweis erbringen, der die Vorwürfe deckt. Dennoch sitzen die „Miami 5“ seit neun Jahren in Haft.

So geht die amerikanische Weltmacht mit Terror um, der nicht gegen sie selbst gerichtet ist. Die Terroristen dürfen ihr Unwesen weiterhin treiben und Menschen, die Terrorismus aktiv bekämpfen, werden verfolgt. Selbst die UNO und Amnesty International verurteilen das Vorgehen der USA, jedoch ohne Reaktion. Für das kubanische Volk und viele Menschen in der ganzen Welt (sogar in den USA) sind die „Miami 5“ Helden. Für die amerikanische Justiz sind sie Agenten einer feindlichen Macht.

07.09.2007 (R. Hönig) Kategorie: Welt

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