Ansturm auf Immobilien auf Kuba

In Havanna boomt das Geschäft mit Häusern und Wohnungen. Spekulanten setzen auf steigende Preise und die Zeit nach dem kommunistischen Regime.

Häuser und Apartments in Havannas guter Lage sind gefragt. Zu 85 Prozent sind sie im Besitz der Bewohner, und die beobachten aufmerksam den Markt. Offiziell dürfen Immobilien in Kuba erst seit einiger Zeit verkauft werden. Der Tausch von Wohneigentum war früher die einzige Müglichkeit, das Heim zu wechseln. Aktuell finden sich überall "Se vende"-Schilder, zu deutsch "Zu verkaufen". Der Verkauf ist inzwischen auch für Auslandskubaner möglich. Ausländer können nur über einen Strohmann, z.B. den Ehepartner, zu kubanischem Grund und Boden kommen.

Das Tauschen geht weiter

Am Rande der Altstadt am Prado, der ehemaligen Promeniermeile, treffen sich Anbieter, Kaufwillige und Vermittler, die gute Kontakte zur Wohnungsbehörde haben. Das Amt ist für die überschreibung von Wohnungen und Häusern verantwortlich und soll, so sieht es das Wohnungsgesetz von 1984 vor, den Tausch möglichst "gleich grosser Wohnungen" abwickeln.

In der Realität wollen die meisten Interessenten jedoch eine grössere Wohnung, und so fliessen beachtliche Beträge unter dem Tisch, um zum Wunschapartment oder zum Traumhaus zu kommen. Vermittler, die
Provision kassieren, gibt es genauso wie willige Beamte, die sich ihren kargen Lohn so aufbessern.

"Vollkommen normal in Kuba", erklärt Raúl Reyes. Der Direktor eines Puppentheaters hat vor drei Jahren seine kleine Behelfswohnung gegen ein Apartment am Malecón getauscht. "Bei uns war der Telefonanschluss ein wichtiges Kriterium", sagt der Theatermann.
Telefonanschlüsse sind nicht Standard in Havanna, selbst fliessend Wasser ist ein Grund für einen Preisaufschlag.

Exilkubaner sorgen für das nötige Geld

Derzeit wechseln Wohnungen und Häuser zu ständig steigenden Preisen in Havanna den Besitzer. Die Nachfrage ist deutlich gestiegen. Nicht allein, weil es in Kuba seit Jahrzehnten latent an Wohnungen fehlt, sondern weil viele Kubaner zusehen, dass sie sich Apartments in guter Lage unter den Nagel reissen.

Vor allem Familien, die Verwandtschaft im Ausland haben, verfügen über das nötige Geld. Während die USA unter der Hypothekenkrise leiden, investieren
Exilkubaner massiv auf der Insel. Sie hoffen, dass die wirtschaftliche öffnung nicht mehr lange auf sich warten lässt. Dann wären sie mit hochwertigen Immobilien in guter Lage auf der Sonnenseite.

Entsprechend stark klettern die Preise, besonders alte Gründerzeithäuser sind gefragt. Für eine Villa werden 50.000 US-Dollar und mehr gezahlt - in Kuba enorme Summen. Das Durchschnittseinkommen liegt bei 400 Peso, umgerechnet knapp 17 Dollar.
Doch am sozialistischen Lohngefüge orientieren sich die Preise schon lange nicht mehr Doch am sozialistischen Lohngefüge orientieren sich die Preise schon lange nicht mehr . Der Schwarzmarkt, die bolsa negra, ist die bestimmende Grösse für die meisten Produkte.



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